Geschichten zur Geschichte

Geschichten zur Geschichte Werdohls Teil 54

Rückblick auf ein Schützenfest

Dieses Wochenende feiert der Werdohler Schützenverein sein traditionelles Schützenfest. Viele Werdohler werden wieder auf den Beinen sein, um gemeinsam zu feiern. Doch wie sah das Schützenfest, sagen wir mal, so kurz vor 1900 aus? Sicher standen auf dem Schützenplatz der damals noch im Steinwerth (heute Vossloh Werksgelände) war nicht die elektrisch betriebenen Karussells wie wir sie heute kennen. Es gab Karussells mit Holzpferden, Schiffsschaukeln, viele Buden für das leibliche Wohl, vielleicht hatte auch eine Wahrsagerin ihr Zelt dort aufgeschlagen.

Aber auch die ganze Gemeinde putzte sich heraus und schon in der Ortsmitte begannen die Buden und Stände die Werdohler auf das Fest einzustimmen. Wir geben hier mal einen kleinen Ausschnitt aus einer Kindheitserinnerung einer Werdohlerin die 1877 geboren wurde.

„Das Fest wurde in meiner Jugend auf dem Steinwerth gefeiert. Man konnte, wenn die Bahnschranken nicht geschlossen waren, die Gleise überschreiten. Schon an der Brücke standen die ersten Kirmesbuden. Vor dem Landskronen Haus stand ein Karussell, daneben war Schneiders Schießbude. Vor unserem Haus an der Dorfbrücke ein Stand mit Halbedelsteinen und Ledertaschen. Am Busenhof stand Bäcker Hennemann aus Neuenrade mit Honigkuchen und Zuckerwaren. Am meisten Spaß hatten wir, wenn wir an der Triesel (Kreisel) einen Honigkuchenmann oder ein großes Herz gewannen. Bei Bäcker Borbeck stand eine russische Schaukel und bei Uhrmacher Schäfer hatte Appeltaten August aus Balve seine Bude mit Apfeltorten aufgeschlagen. In den Straßen wurden Ehrenpforten gespannt, es sah festlich aus, die Straßen wurden sauber gefegt, da dieselben noch nicht gepflastert waren und überall herrschte Feststimmung. So reihten sich Stand auf Stand bis hin zum Festplatz“

Wie man sieht, verstand man auch in ganz früheren Jahren in Werdohl das Schützenfest ordentlich zu feiern.

Der Heimat und Geschichtsverein wünscht dem Werdohler Schützenverein ein erfolgreiches und schönes Schützenfest. Horrido

Bild: Alt-Werdohler Schützenfest aus dem Steinwerth. Zeichnung von Alfred Colsman

 

Geschichten zur Geschichte Werdohls Teil 53

Mit einem Trick den Dieb ermittelt.

In alten Zeiten spielten sich die Arbeiten der Handwerker hauptsächlich am Rande der Dorfstraßen und Gassen statt. Ob es nun Pferdeschmiede, Böttcher, Schneider oder Schlachter waren. Die kleinen Handwerksläden wurden meistens nur bei schlechtem Wetter oder im Winter aufgesucht. So herrschte oft ein buntes Treiben im Dorf welches hauptsächlich die Kinder zum Zuschauen einlud.

Ein solcher Handwerksbetrieb hatte auch  Fritz Borbeck. Er war von Beruf Gastwirt und Bäcker, was in der damaligen Zeit eine häufige Kombination war. Sein Haus stand an der Gabelung zwischen der heutigen Bahnhofstraße und der Straße „Im Sand“. Sein Sohn Carl Borbeck ließ das Haus später abreißen und errichtete ein neues welches heute noch steht. Auch dort wurde ein Gasthaus eingerichtet. (die spätere Stadtschänke)

Dieser besagte Fritz Borbeck hatte an der Ostseite des Hauses einen großen freien Platz. Auf diesen lagerte er für seine Bäckerei die sogenannten Backspeller, die er dort aufstapelte. Backspeller sind lange Holzscheite welche er zum Heinzen des Backofens benötigte.

Nun kam es aber vor, dass von diesem Holzstapel regelmäßig Holzscheite gestohlen wurden. Sie waren ja schließlich für jeden frei zugänglich. Um nun den Dieb zu ermitteln, kam Fritz Borbeck auf die Idee, Pulver in einem Backspeller zu tun und denselben vorn hinzulegen. Es dauerte auch nicht lange, da flog in der Nachbarschaft ein Ofen in die Luft. Nun wusste Fritz Borbeck wo der Dieb zu finden war.

Leider ist nicht bekannt wie die Geschichte weiter ausgegangen ist. Man wird sich irgendwie geeinigt haben. Schließlich lebte man in einem Dorf und man kannte sich schon zu lange.

Foto: das von Carl Borbeck errichtete Haus welches an der Stelle des alten Gasthauses und der Bäckerei Borbeck steht

 

Geschichten zur Geschichte Werdohls Teil 52

Ein Hotel wird um eine Zimmerbreite verkleinert

Wenn man über die Stadtbrücke Richtung Innenstadt geht, befindet sich linker Hand ein großes Gebäude in dem jahrzehntelang Werdohler einen Teil ihrer Bekleidung kaufen konnte. Die Rede ist hier vom Bekleidungsgeschäft Keinecke.

Das Gebäude steht an einer markanten Stelle. Genau an dieser Stelle befand sich einst das Zollhaus mit einer Arrestzelle. Dort sahen die Zöllner und kassierten für jedes Überschreiten der Brücke den Zoll. Berechnet wurden Mensch und Vieh wie auch Pferde- und Ochsenkarren.

Irgendwann wurde der Zoll aufgehoben und das Zollhaus wurde überflüssig. Im Laufe der Jahre wurde es abgerissen und das heutige Gebäude wurde auf dem Grundstück erbaut. Das Gebäude wurde ein Hotel und viele ältere Werdohler kennen es noch als Hotel Quitmann. Das Hotel hatte einen gemütlichen Schankraum wo sich abends oft die Werdohler Geschäftsleute und Fabrikanten trafen.

Nun verändern sich Häuser im Laufe von Jahrhunderten oft. Mal bekommt ein Haus einen Anbau, mal wird eine Etage aufgesetzt oder die komplette Außenfront wird verändert. Beim Hotel Quitmann ist es etwas anderes. Auch dieses Gebäude hat sich verändert, aber nicht so wie man es vermutet.

Im Jahre 1911-12 wurde die alte Stadtbrücke abgerissen, da sie nicht mehr dem damaligen Verkehrsaufkommen genügte. Auch hatte sie schon einige Hunderte Jahre auf dem Buckel. Die neue Brücke musste breiter werden, damit Fuhrwerke aus beiden Richtungen über die Brücke fahren konnten. Die alte Brücke war einspurig und es kam schon mal zu Wartezeiten bis das nächste Fuhrwerk über die Brücke fahren konnte.

Durch den breiteren Fahrweg war aber das Hotel Quitmann im Wege und man konnte gleich hinter der neuen Brücke keine Kurve anlegen. Also entschied man sich das Hotel Quitmann um eine gesamte Zimmerbreite zu verkleinern. Die vorderste Zimmerfront wurde abgetragen und anschließend wieder zugebaut. So konnte das Hotel erhalten bleiben und die Brücke konnte nun viel breiter gebaut werden.

 

Bild: Hotel Quitmann mit der noch alten Brücke um 1902. Die ganze rechte Zimmerfront wurde abgetragen

Geschichten zur Geschichte Werdohls Teil 51

Der widerspenstige Gaul

Viele Geschichten gibt es aus der „Franzosenzeit“ über Werdohl leider nicht. Mit der „Franzosenzeit“ bezeichnete man einst in Werdohl die Zeit als die Truppen Napoleons auch die Grafschaft Mark besetzt hatten.

Eine Geschichte zur Geschichte aus Werdohl während der „Franzosenzeit“ hatten wir hier bereits veröffentlicht, nun kommt eine andere kleine Anekdote dazu.
Diese Anekdote spielte sich auf dem Gutshof Neuenhaus ab. Dieses Gehöft befindet sich noch heute in der Senke des Höhenweges.

Während dieser „Franzosenzeit“ kam einmal eine französische Patrouille auf dem Gutshof um Männer für den Militärdienst zu requirieren. Als der Knecht des Hofes, der auf dem Felde gewesen war, die Patrouille von weitem sah, ist er in den Wald geflüchtet. Dort hatte er sich versteckt um nicht heran gezogen zu werden.

Im Stall hatte der Gutsherr einen prachtvollen, aber sehr wilden Hengst stehen, der biss und schlug und ließ keinen Fremden an sich heran.
Als nun die französischen Soldaten den Hengst aus dem Stall mitnehmen wollten, wurden sie nicht mit ihm fertig. Nun sollte der Gutsherr den Hengst aus dem Stall führen, der das Ansinnen der Franzosen aber ablehnte. Mit dem Vorwand dass nur der Knecht mit ihm fertig wird und dieser sei aber abwesend.

Als nun alle Versuche, sich dem Tier zu nähern, vergeblich blieben, zogen die Soldaten wieder wütend ab.
Man sagt dem Westfalen ja nach das diese stur wären, aber das trifft wohl auch auf manche Pferde zu.
Auf alle Fälle blieb der Hengst auf dem Hof und nach einer Weile kam der Knecht auch aus seinem Versteck und musste nicht in der fremden Armee seinen Dienst ableisten.

Bild: Höhenstrasse mit Neuenhaus um 1940

 

Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 50 

Ein ungewöhnliches Unternehmen im „Eisenhämmerland“

 

Das märkische Sauerland ist für seine eisenverarbeitende Industrie bekannt. Schon seit dem Mittelalter konnte man die kleinen Eisenhämmer in den zahlreichen Nebentälern schlagen hören. Alles was irgendwie mit Metall zu tun hatte fand und findet man in unserer Region. Ganz selten haben sich andere Industriezweige angesiedelt.

Eines dieser außergewöhnlichen Fabrikation ist das Werdohler Glaswerk, welches bei den meisten Werdohler noch als Charlottenhütte bekannt ist. Unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg wurde im Jahre 1948 der Betrieb unter der Bezeichnung „Glaswerk Sauerland“ ins Handelsregister eingetragen. In Spitzenzeiten waren dort bis zu 300 Menschen beschäftigt.

Starken Anteil an der Entstehung dieses im Land der Eisenhämmer neuen Unternehmens hatte der Kommerzienrat Dr. h.c. Alfred Colsman. Colsman stellte die erforderlichen Grundstücksflächen zur Verfügung. In nur kurzer Zeit war es gelungen, Glasmachern und Glasbläsern Arbeit in ihrem erlernten Beruf zu schaffen. Es waren hauptsächlich Facharbeiter, die es als Heimatvertriebene und Kriegsflüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten ins Sauerland verschlagen hatte. Sie kamen aus Gegenden, in denen die Glasindustrie jahrhundertelang der bestimmende Wirtschaftszweig war; zum Beispiel aus Thüringen und Schlesien. In Kleinhammer am Solmbecker Bach fanden sie Lohn und Brot.

Im Laufe der Jahre wurde die Produktionspalette immer umfangreicher, und so verließen allerlei Gegenstände aus Glas das Versetal. Durch mehrere Verkäufe landete das Unternehmen von der Firma Goy schließlich an die Unternehmensgruppe W. Goebel.  In der Goebel – Zeit des Glaswerkes in Kleinhammer standen alle Zeichen auf Optimismus. Das änderte sich aber schnell, denn im Jahre 1982 wurde die Produktionsstätte wie es hieß aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen.

Auch wenn das Werk schon lange geschlossen ist, denkt man immer noch gerne an dieses einzigartige Werk zurück. Zählte es doch zu dem einzigen Glaswerk im Sauerland. Die Produktionshallen stehen noch und erfüllen andere Aufgaben. Einzig ein Schriftzug an dem Schornstein zeigt den jüngeren Werdohler noch das hier mal ein Glaswerk war.

       

 

Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 49 

Wie die Hebamme des Dorfes durch das Hochwasser kam.

In jedem Dorf gab und gibt es Menschen die durch ihre Eigenarten oder Tätigkeiten einen  gewissen Ruf bekam oder bekommt. So war es auch im ehemaligen Dorf Werdohl.  Eine sehr populäre aller Dorfgestalten aus ganz alten Dorftagen war die „Wiesemoer“ oder auch Mutter Voßloh genannt. Sie hatte in der Mitte ihres Lebens ein hartes Los zu tragen. Ihr Mann ist nach Amerika ausgewandert und wollte dort sein Glück suchen. Sobald es möglich wäre, wollte er seine Familie nachholen. Nun gab es aber bald kein Lebenszeichen von ihrem Mann und er blieb verschollen. Mutter Voßloh war nun mit ihren Kindern in Werdohl auf sich alleine gestellt, was zu der damaligen Zeit als alleinstehende Mutter den Ruin bedeutete.

Die Gemeinde Werdohl gab ihr eine Arbeit als Küsterin damit sie für sich und ihren Kindern sorgen konnte. Später ließ die Gemeinde Mutter Voßloh als Hebamme ausbilden, da das Dorf dringend eine benötigte. Oft sah man sie mit weißer Haube und mit ihrer großen Tasche durch das Dorf eilen um ihrer Berufspflicht nachzukommen.

Als einmal die Dorfstraße unter Wasser stand und Wöchnerinnenhilfe auf der anderen Lenneseite (heute Bahnhofsviertel) dringend gefordert wurde sah sich Mutter Voßloh vor ein großes Problem gestellt. Wie würde sie durch das Hochwasser über die Lennebrücke kommen.

Das Problem sprach sich schnell im Dorf herum und es dauerte nicht lange, da schritten hilfreiche Männer zur Tat. Schnell war eine große Mistkarre zur Stelle, auf die sie einen Sessel stellten. Mit großem Halloh wurde die Hebamme dann stolz im Sessel sitzend, durch das Hochwasser und über die Lennebrücke gefahren. So kam Mutter Voßloh wie immer pünktlich zur Entbindung.

Als sie nach 45-jähriger Tätigkeit ihr Amt niederlegte, haben Werdohler Mütter ihr zu Ehren ein großes Fest veranstaltet. Sie soll während ihrer Dienstzeit als Hebamme mehr als 5000 Werdohlern auf die Welt geholfen haben. Ihr Sohn betrieb übrigens in der Neustadtstrasse eine kleine Schmiede und gründete im Steinwerth später eine Fabrik aus der später der Voßloh Konzern wurde.

Bild: Ansicht der Dorfbrücke vor 1911

Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 48 

Für etwas Süßes wurde nach Altmetall „geschürft“

Taschengeld war etwas von dem viele Kinder in den Nachkriegszeiten nur träumen konnten. Das Geld in den Familien war knapp, und der Groschen wurde sprichwörtlich vor dem Ausgeben „mehrmals“ umgedreht. Aber das Verlangen der Kinder nach Eis, Lutscher, Zuckerstangen oder Waffelbruch war groß. Die Kinder und Jugendlichen waren aber sehr einfallsreich um an ein paar Pfennige zu gelangen.

Sie zogen los und sammelten Metallschrott und verkauften es an die „Lumpensammler“ die zu der Zeit noch zahlreich durch Werdohl fuhren. Mehrmals in der Woche kamen sie meist aus dem Ruhrgebiet nach Werdohl. Wenn die Flöte erklang, liefen die Jugendlichen auf die Straße und hielten den Wagen an. Zunächst wurde gefragt was für ein Kilo Schrott zu bekommen sei. Für Eisen gab es zwischen 6 und 10 Pfennig, für Buntmetall erheblich mehr.

In Ütterlingsen holten die Jungen das Metall aus der Lenne. Im Sommer hatte der Fluss oft einen niedrigen Wasserstand und dort fand sich so manches Eisenteil. Darunter waren bis in den späten 50er Jahren etliche Gewehrläufe. (Waffen waren nach dem Krieg dort entsorgt worden). Aber auch Granaten wurden hin und wieder in der Lenne gefunden.

Im Versetal wurden die Jugendlichen durch Schrottsammeln „reicher“ als die in Ütterlingsen. Die Jungen vom Bremfeld, Bärenstein und Eveking haben sich durch das Sammeln von Buntmetall ihr Taschengeld verdient. Im Werk VDM muss vor vielen Jahren mal eine Buntmeltallgießerei gewesen sein. Das neben den Gussformen getropfte Metall erkaltete auf dem Hallenboden und wurde dann täglich weggefegt. Schmutz landete vielfach in der Verse, dabei war auch das Metall.

Das war ein Geheimtipp und ausgerüstet mit Topfdeckeln, Küchensieb und Blechdosen zogen die Kinder wie Goldgräber zum Schürfen los. Dabei wurden richtige Claims abgesteckt. Die älteren hatten natürlich direkt am VDM Werk die besten „Schürfgebiete“. Je jünger man war, desto weiter ging es der Verse abwärts bis zum Rotenhohl.

Die Metallhändler haben an der Bundestrasse gestanden und es wurde nur an denen verkauft die den besten Preis zahlten. Mit ein paar Mark in der Tasche zogen die Jungen dann zurück nach Hause. Vorher ging es aber noch zum Bärensteiner Konsum oder zur Bäckerei Waldminghaus in Altenmühle um für ein paar Pfennige eine Tüte „Klümpkes“ zu kaufen.

Die Anzahl der Schrotthändler die mit ihren Wagen durch Werdohl fuhren nahm in den Jahren langsam ab, auch wurde durch das wachsende Umweltbewusstsein immer weniger Altmetall in den Flüssen entsorgt. Seit einigen Jahren kann man aber wieder einen der typischen fahrenden Schrotthändler sehen und wenn das Flötenlied durch die Straßen ertönt, wird so mancher Werdohler an seine Kindheit erinnert.

Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 47 

Sportboote und Holzkähne auf der Lenne

Die Lenne wird in Werdohl viel zu wenig für Sportzwecke genutzt, sehen wir von den Anglern mal ab. Das war einmal anders, denn neben den ersten Schwimmbädern an der Lenne, existierte sogar ein Ruderclub.

Vor dem 2. Weltkrieg brachte der damalige Direktor der Stahlwerke Brüninghaus und Walzwerk Thomée Karl Schloemer sein Hobby mit nach Werdohl. Karl Schloemer war leidenschaftlicher Ruderer. Im Jahre 1935 wurde das Freibad in Ütterlingsen eingeweiht und der Ruderclub durfte im hinteren Bereich eine Anlegestelle sowie zwei Hallen für die Boote bauen. Für die Erstausstattung sorgte der Brüninghaus Direktor. Angeschafft wurden mehrere Gigs, ein Vierer, ein Doppelzweier, sowie ein Einer. Abgerundet wurde die „Flotte“ durch ein Rennboot.

Zu Beginn standen die Boote meist den Angestellten von Brüninghaus und Thomée für Trainingszwecken zur Verfügung, und natürlich zuerst Karl Schloemer selbst, der aber auf Grund seiner Tätigkeit in beiden Werken selten die Zeit dazu hatte.

Mit Beginn des Krieges wurden die meisten Ruderer  zu den Waffen gerufen. Nun konnten auch andere meist jüngere Ruderer die Boote benutzen bis auch sie in den Krieg mussten. Nach dem Krieg standen Pferde der Wehrmacht in den beiden Hallen im Freibad und die Boote wurden zerstört. Den Doppelzweier übernahm der Ruderclub an der Sorpetalsperre. Seitdem hat es nie wieder Bootssport in Werdohl gegeben. Die beiden Hallen übernahm 1949 der Schwimmverein 08.

Es gab parallel dort noch einige Holzkähne die der Bademeister Herwald stundenweise vermietete. Nach einem Badetag in Ütterlingsen halfen viele Jungen dem Bademeister beim Aufräumen des Freibades. Zum Lohn durften sie nach getaner Arbeit eine Runde mit den Holzkähnen fahren was für die Jungs immer ein Erlebnis war. Diese Kähne kamen schon im ersten Freibad über dem Wintersohler Wehr zum Einsatz. So konnten Besucher des Freibades in Ütterlingsen auch eine ruhige Bootsfahrt auf der Lenne unternehmen, was hauptsächlich junge Paare in Anspruch nahmen.

Vielleicht wird die Idee einer Bootsfahrt auf der Lenne irgendwann mal wieder lebendig.

Bild: Freibad Ütterlingsen in den dreißiger Jahren mit der Bootsanlegestelle.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 46 

Kleine Koksstückchen brachten die ersehnte Wärme

„Wenn du zwei Eimer Koks gesammelt hast, kannst du zum Spielen gehen“. Diesen Satz haben nach dem 2. Weltkrieg viele Kinder in Eveking zu hören bekommen.

In den 50er Jahren  wurden in den meisten Wohnungen mit Festbrennstoffen der Ofen im Wohnzimmer und der Herd in der Küche geheizt. Nach dem Krieg waren diese aber rationiert und Kohlen gab es nur auf Bezugsschein.  Zu erhalten waren dann in der Regel sogenannte „Schlammkohle“  Diese bestand aus gemahlener Kohle oder Kohlenstaub mit Wasser vermischt. Die Schlammkohle wurde mit Pferdekarren angeliefert und vor den Häusern gekippt. Die Kohle lag dann wie ein Schlammberg vor dem Haus und musste in den Keller transportiert werden. Wenn man nicht schnell genug den Kohleschlamm  in den Keller verstaut hatte, lief das trübe Kohlenwasser aus der Schlammkohle oft die Straßen Evekings herunter, so dass ganze Straßenzüge schwarz waren.

Im Keller lief das Wasser ebenfalls aus dem Schlamm und bevor man sie gebrauchen konnte, musste das ganze Wasser abgeflossen sein. Danach war die Schlammkohle hart und zum Heizen musste man einzelne Stücke herausschlagen um sie verwenden zu können. Nun hatte diese Schlammkohle aber keinen großen Brennwert und hatte überhaupt nicht für die gewünschte Wärme gesorgt.

Findige Köpfe in Eveking fanden heraus, dass mit Koks vermischte Schlammkohle wesentlich besser brannte. Aber woher den Koks nehmen? Den gab es schließlich auch nur auf Bezugsschein.

Von der Firma Carl Berg (später VDM Eveking) gab es früher eine Seilbahn zur Aschekippe zwischen Bremfeld und Ludemerter Weg. Die Öfen des Werkes wurden damals mit Koks geheizt und durch die Roste fielen haselnussgroße Brocken in die Asche. Mit der wurden sie zur Aschekippe per Seilbahn gefahren. Dort scharrten Kinder, Jugendliche aber auch einige Erwachsene die Stücke heraus und trugen sie in Eimern nach Hause.

Jeden Tag suchten dort viele Evekinger in der Asche nach dem wichtigen Brennmaterial, umso wenigstens etwas Wärme in die Wohnungen zu bekommen. In den meisten Fällen waren es aber Kinder die diese Aufgaben erledigen mussten bevor sie ihrer Freizeit nachgehen konnten.

Die Aschekippe ist zwar jetzt überwachsen, aber wenn man genau hinsieht kann man hier und da noch ein paar Koksbrocken finden.

 

Bild: die Firma Carl Berg in Eveking. Vorne der Mast der Seilbahn mit der die Asche mit dem Koks zur Kippe transportiert wurde.

 

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Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 45 

Die Wochenenden in vergangenen Zeiten

Wochenende ist für viele Menschen der Begriff für Freizeitaktivitäten oder mit Freunden zu feiern. Das Freizeitangebot  in unserer heutigen Zeit ist vielseitiger geworden und auch unserer Stadt hat für die unterschiedlichsten Interessen einiges zu bieten. Diese Vielfalt gab es in der Vergangenheit so nicht. Damals musste man sich auf einige wenige Veranstaltungen beschränken. Diese wurden aber von den Werdohlern dankbar angenommen.

In den 50er und 60er Jahren gab es jedes Wochenende Tanz in Werdohler Lokalen. Hotel zur Post, Röther, Lueg, Hotel zur Verse und der Gasthof zur Hölmecke waren die Tanzlokale in Werdohl. Sonntagnachmittag wurde der feine Anzug oder das Sonntagskleid angezogen und dann ging man zum Tanz. Es war auch die Zeit der Tanzschulen die sich über leere Kurse nicht beklagen konnten.

In jeden dieser Tanzlokale spielten kleine Kapellen auf, oder Alleinunterhalter motivierte die Gäste. Im Saal des Gasthofes „Zur Hölmecke“ wurden zum Beispiel Tanzveranstaltungen vom Gesangverein organisiert. Dort lag an einem Steg neben der Brücke nach Lengelsen ein Motorboot. Fahrten zwischen Wehr und Eisenbahnbrücke kosteten für Erwachsene 10 und für Kinder 5 Pfennig.

Im „Hotel zur Post“ traten Alleinunterhalter mit einem bunten Programm auf, und der Saal war immer „rappelvoll“. Im „Hotel zur Verse“ gab es zusätzlich bis in den 60er Jahren jeden Mittwoch eine Kinovorführung.  Der Gasthof auf dem Remmelshagen war für die Werdohler ein beliebtes Ausflugslokal. Ganze Wandergruppen spazierten den Berg hinauf und oft mussten zusätzliche Stühle auf die Aussichtsterrasse gestellt werden um allen einen Platz zu bieten.

Ein Problem stellte direkt nach dem Krieg die Versorgung mit Getränken dar. Bier gab es, doch „härtere Sachen“ wurden dann meist selbst besorgt. Da brachte so manche Gruppe selbst gemachten Hausbrand oder Liköre in die Gasthäuser mit. Das war damals so üblich, doch musste für die mitgebrachten Getränke ein „Korkgeld“ an den Wirt bezahlt werden. Das heißt, man gab dem Wirt einen kleinen Obolus  damit man seine eigenen Getränke ausschenken durfte. Meistens aber wurde ungesehen vom Kellner und Wirt, unter dem Tisch ausgeschenkt.

Auch damals kam man an den Wochenenden auf seine Kosten.

Bild: alte Ansicht vom ehemaligen Gasthaus auf dem Remmelshagen

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Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 44 

Ein Bauernhof im Licht und Schatten der Geschichte

Über 900 Jahre alt ist die Besiedlung des Hofes Dösseln (Crone). Der Hof ist in einer Urkunde als Kirchengut erwähnt, in der auch Werdohl erstmalig genannt wird.

Natürlich gibt es aus so einer alten Besiedlung einiges zu berichten. Der Hof liegt an einem in der damaligen Zeit wichtigen Verkehrswegs der direkt über das Hofgelände führte. Heute machte die Landstraße durch Anschüttungen einen Bogen um den Bauernhof.

Anders als viele andere Höfe die sich auf den Höhen Werdohl befinden und teilweise einst versteckt im Wald lagen, lag der Dösseln in schweren Zeiten direkt an der „Front“.

In friedlichen Zeiten trafen sich hier die Viehtreiber die die Herden von Schafen oder Rinder auf dem  Weg von  Köln nach Arnsberg übernehmen mussten. Da die Wartezeit überbrückt werden musste, wurde dort ein Wirtshaus eröffnet, um den Hirten und Viehtreibern Kost und Logis zu geben.

In Kriegszeiten bedeutete es für die Menschen des Hofes nichts Gutes an einem so strategisch wichtigen Weg zu liegen. Durchziehende und herumtreibende Soldatenheere und Soldateska machten den Bewohnern zu schaffen.

Im Siebenjährigen Krieg musste der Hofpächter mit seiner Familie, Gesinde und Vieh mehrmals Haus und Hof vor heranrückenden Kriegshorden verlassen. Man versteckte sich in den Wäldern des Riesenberges oder in die Esmecke. Der dortige Lagerplatz bekam den Namen „Franzosenkuhle“ der bei manchen Bewohnern heute noch geläufig ist.

Im Oktober 1813 wurde Napoleon endgültig besiegt. Eine Woche später wurde Familie Dössler durch Klopfzeichen aus dem Schlaf gerissen. Zwei französische Offiziere auf der Flucht baten um ein Nachtlager, welchen ihnen auch gewährt wurde. Im Stroh oberhalb des Rinderstalls richteten sie sich ihr Nachtlager ein. Wenige Stunden später wurde die Familie abermals durch heftiges Klopfen und lautes Rufen aufgeweckt. Diesmal waren es Kosaken, die den Franzosen nachstellten. Sie durchsuchten rücksichtslos jeden Raum des Hauses, vom Keller bis zum Heuboden, ebenfalls die Scheune. Lediglich den Strohspeicher über den Rinderstall ließen sie unbeachtet. Nach ergebnisloser Suche verließen die Kosaken Hof Dösseln wieder.

Am 12. November 1813 kamen die Kosaken als Befreier nach Werdohl. Sie eigneten sich alles an was sie gebrauchen konnten. Sie raubten Vorräte, Wertgegenstände und Vieh. Etwas später wurden russische Soldaten auf ihren Weg nach Frankreich auch in Dösseln einquartiert. Laut Hofchronik hausen sie noch schlimmer als ihre Vorgänger.

Auch ein einzelner Gutshof hat eine große Geschichte.

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Bild: Gutshaus und Wirtshaus auf dem Dösseln um 1900 (heute Hof Crone am Höhenweg)

 

Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 43 

 

Was es mit dem Zusatz „zur Post“ aus sich hat.

Überall im deutschsprachigen Raum finden wir Gasthäuser oder Hotels mit der Bezeichnung „Zur Post“. In den seltensten Fällen befindet sich heute eine Poststelle in diesen Gebäuden.  So auch in Werdohl. Dort wo heute das neue Gebäude der Stadtbücherei mit Geschäften steht, stand vorher das „Hotel zur Post“. Auch dort waren Geschäfte beheimatet, u.a. die Kaufhäuser Störmer und Küster.

Der Vorgängerbau des Hotels hatte ebenfalls den Beinamen „Zur Post“. Nur das es sich hier nicht um ein Hotel gehandelt hatte, sondern um einen Gasthof. In früheren Zeiten durften nur die Gebäude den Zusatz „Post“ führen, die auch eine Verbindung zur Post hatten.  In Werdohl hatte der Gastwirt Peter Casper Eick seit dem Jahre 1833 einen Gasthof. Im Jahre 1846 wurde in diesem Gasthaus die erste Poststelle für das Kirchdorf Werdohl eingerichtet. Seit diesem Jahr führte das Gasthaus den Namen „Zur Post“.

Dieser Zustand hört auf, als der Umfang des Postdienstgeschäftes eine Trennung und damit eine Verlegung der Postdiensträume in andere Gebäude erforderlich machte. In Werdohl siedelte man die Post einfach in einem Nachbargebäude des Gasthofs zur Post. An diesem Gebäude war auch der erste Briefkasten Werdohls installiert. Nachdem das neue kaiserliche Postamt ein paar Meter Richtung Christuskirche gebaut wurde, befand sich dort eine Gastwirtschaft die den Namen „zum Briefkasten“ bekam. Später nannte man sie „zur Poststube“, die noch viele Werdohler kennen.

Nun hatte aber so eine Poststelle nicht nur etwas mit Briefen und Paketen zu tun. Die Poststelle war auch Haltepunkt für den Postkutschenverkehr nach Balve und Neuenrade. Im Hinterhof des Gasthofs waren Ställe vorhanden. Dort wurden die Pferde zum Wechseln untergestellt. Auch einen Personenpostwagen als Ersatz war dort vorhanden. Im Jahre 1912 fuhr der letzte Boten- bzw. Personenpostwagen nach Balve, und 1917 ging die letzte Reise nach Neuenrade.

Selbstverständlich war bei der letzten Fahrt der Postkutsche das ganze Dort auf den Beinen. Die Pferde und die Kutsche wurden geschmückt und die Werdohler verabschiedeten die Postkutsche in ihrem besten Sonntagszwirn.

Die alten Gebäude sind längst verschwunden und der dortige Neubau erinnert nicht an diese für Werdohl wichtige Zeit. Man hat den Parkplatz hinter dem Gebäude dort wo einst die Ställe waren den Namen „Zur alten Post“ gegeben.  So wird weiter an die Gegebenheit mit der Post erinnert. Es macht manchmal auch Sinn einen Parkplatz einen Namen zu geben.

 

Bild: festliche geschmückte Postkutsche für die letzte Fahrt

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Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 42 

Ein Ortsteil der vielen Brücken und Wasserwege

Wasser war bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts besonders für die Industrie unter anderem als Antrieb wichtig. Teils direkt über Schaufelräder oder angelegte Teiche wurde das Wasser genutzt. Besonders im Ortsteil Kleinhammer war dies zu beobachten. Die Verse wurde in diesem Bereich an vielen Stellen aufgestaut und über lange Kanäle wurde das Wasser bis zu den kleinen Fabriken und Hammerwerke geleitet.

In Kleinhammer gab es zahlreiche Wasserwege, die einst den damals vorhandenen Ortsteil am Ufer der Verse durchzog. Bekanntlich diente die Ausnutzung der Wasserkraft vergangener Generationen als Grundlage ihrer beruflichen Tätigkeit und als Basis der industriellen Entwicklung.

Heute noch findet man hier und da vereinzelt Zeugen dieser Zeit in Kleinhammer. Die Umgebung der unteren Hammerstrasse nannte man früher „Am alten Hammer“. Bis vor ein paar Jahren war noch das alte Wehr für den Obergraben zur Firma Colsman vorhanden. Die heutige Grabenstrasse hieß im Allgemeinen „Auf dem Damm“ Der Obergraben wurde Mitte der 60er Jahre zugeschüttet und bildet heute teilweise den Verlauf der Grabenstrasse. Jedes kleine Unternehmen wovon es damals in Kleinhammer eine ganze Reihe gab, leitete das Versewasser über kleine Kanäle zu ihren Werkstätten. Neben den vielen Obergraben und Kanäle gab es in Kleinhammer auch eine Reihe von Bächen die dort in die Verse mündeten. Der Sirriner Bach floss teilweise unterhalb der Straße und mündete damals in den Obergraben. Der Solmbecker Bach speiste zwei Hammerteiche.

Natürlich mussten die ganzen Wasserläufe auch mehrmals überquert werden, sodass Kleinhammer über eine staatliche Anzahl an Brücken und kleine Stege verfügte. Leider ist nicht bekannt wie viele es genau waren, aber ein älterer Einwohner  erzählte mal, dass seine Mutter immer von Klein-Holland sprach. Ein Zeichen das es sich schon um viele Brücken gehandelt haben muss.

Im Zuge der Programms „Renaturierung der Gewässer“ werden diese nicht mehr benötigten Staustufen zurück gebaut. Dadurch  sollen die Fließgewässer, wie hier die Verse wieder ein  natürliches Flussbett bekommen und Raum für die heimische Tierwelt bieten.

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Bild: Zeichnung der zahlreichen Wasserwege. Die ganz kleinen Kanäle sind nicht aufgeführt.

 

Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 41 

Der Einzelhandel in „alter“ Zeit

Heimat shoppen, so heißt die jüngste Initiative des Werdohler Einzelhandel und des Marketing Vereins. Ziel ist es dafür zu werben, dass die Werdohler in ihrer Stadt einkaufen um so die örtlichen Geschäfte zu stärken und zu sichern.

In früheren Jahren war dies nicht nötig, da man bis auf ganz wenige Ausnahmen alles in seinem Ort oder seinem Ortsteil gekauft hat. Nun darf man aber die Geschäfte von damals nicht  mit denen von heute vergleichen. Es standen in der Gemeinde Werdohl unzählige Geschäfte den Bürgern zur Verfügung. Da es sich um kleine Geschäfte handelte, war die Auswahl sehr begrenzt. Viele Geschäfte hatten sich auf nur ein paar Produkte spezialisiert. Das große Sortiment von heute gab es so nicht und man musste schon einige Geschäfte ansteuern um alles zu bekommen.

Hier ein kleiner Auszug aus den „Lebenserinnerungen von älteren Mitbürger aus Werdohl“.

„In Werdohl gab es drei Konsumläden. Einen an der Stadtbrücke, das andere in der Neustadtstrasse und der dritte auf der Feldstrasse. Man hat nie gesagt dass man zum Einkaufen geht, sondern immer was man benötigt. Da wußte man in welchem Kosumladen man wollte, da jeder Laden sich auf etwas anderes spezialisiert hatte.“

„Einmal die Woche kam ein Planwagen aus Iserlohn und verkaufte Lebensmittel. In der Ortsmitte gab es nur drei kleine Geschäfte die Lebensmittel hatten. Da er sehr günstig war, konnten die Hausfrauen  die Ankunft kaum erwarten.“

„Die Kinder sammelten im Sommer in den Wäldern Himbeeren und verkauften diese dann an den Apothekern, die daraus Medizin machten. So verdienten sie sich etwas Taschengeld. Davon kauften sie sich im Café Schulte, später Köster „Holländische Klümpchen“, hergestellt aus Rübenkraut und Zucker.“

„In Werdohl gab es drei Buchhandlungen. Dösseler in der Freiheitstrasse, Borbet am heutigen Colsman Platz und Rohrmann in der Neustadtstrasse. Rohrmann war katholisch, da durften die Evangelischen nicht einkaufen. Sie gingen nach Dösseler oder Borbet.“

„Viele Kinder sind zum Friseur Zunieden gegangen. Er hatte sein Geschäft dort, wo sich heute der Friseur Groll befindet. Das schlimmste daran war, dass er auch Zähne nebenbei zog. Es hatte sich rumgesprochen, wenn man sich einen Zahn ziehen lässt, bekommt man zur Entschädigung einen kleinen verzierten Spiegel. So sind viele Kinder nach Zunieden gegangen, auch wenn es nicht nötig war. Auch wenn er nichts gefunden hatte, bekamen die Kinder diesen Spiegel.“

„Es gab Geschäfte die nur Kernseife und Rasierutensilien verkauften. Andere hatten nur Petroleum, Kerzen und Zündhölzer im Angebot. Es gab auf dem Werdohler Gebiet unzählige kleine Milchgeschäfte. Im Ort und im Versetal gab es sogar Milchgeschäfte in denen man Waffelhütchen mit Sahne bekam.  Diese waren bei Kindern genauso beliebt wie heute ein Eis aus der Eisdiele.“

Nach Aussagen vieler Verfasser der „Lebenserinnerungen“ (das Buch kann man sich übrigens in der Stadtbücherei ausleihen) benötigte man nicht die großen Geschäfte die es heute gibt. Das lag auch daran, dass so gut wie jede Familie über einen Garten und hier und da auch über Kleinvieh verfügte und dadurch fast Selbstversorger waren.

Es gab damals schon ein gelebtes „Heimat shoppen“

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Bild: das Gebäude Heutelbeck in dem sich auch der Friseur Zunieden befand ,der auch Zähne ziehen durfte.

Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 40 

Aus Dresel frisch auf dem Grafentisch

Obwohl die Geschichte Dresels bis ins Mittelalter zurück reicht, ist die Besiedlung ein recht junger Ortsteil Werdohl. Erst mit der Verleihung der Stadtrechte 1936 kam dieser Teil nach Werdohl. Davor gehörte Dresel zum sogenannten Kelleramt.

Die im Kelleramt zusammen geschlossenen Bauernhöfe, so wie etwa auch einzelne Höfe in der Doppelgemeinde Nachrodt Wiblingwerde gehörten zu den besonderen Tafelgütern der Grafen von der Mark.  Sie dienten dem Unterhalt der Burg Altena mit Naturalien.  Der Hüter des Kelleramtes, der Kellner hatte die Bedeutung eines Finanzbeamten. Er hatte für die vollständige und richtige Ablieferung der Abgaben zu sorgen. Bei dem Kelleramt Dresel handelt es sich um einen geschlossenen, dem Naturalbedarf der Grafenfamilie in Altena dienenden Hofverband. Die Bewohner Dresels mussten dafür sorgen, dass der Grafentisch immer reichlich gedeckt war. Dazu gehörten Fleisch von Nutztieren oder Wild aus den Wäldern, Fische aus der Lenne, Gemüse, Obst, Beeren und Pilze, Eier und Geflügel jeglicher Art. Aber auch Stroh und Heu für die Versorgung der gräflichen Pferde gehörten dazu.

Berühmtheit erlangte Dresel als es Wohnsitz von Levold von Northof wurde. Dieser genannte Levold war ein gelehrter Ritter und war unter anderem der Chronist der märkischen Grafen.  In Dresel verfasste er die Chronik des märkischen Grafengeschlechts in lateinischer Sprache. Sie dient heute noch als Nachschlagewerk, wenn es um die Geschichte unserer Region geht.

Dresel muss zu dieser Zeit ein sehr großes Anwesen mit einer Reihe von steinernen großen Häusern gewesen sein. Zwei Weiher wurden angelegt und das Haupthaus besaß einen Turm von wo aus eine Brücke in den nahe gelegenen Wald führte. Diese Gebäude sind leider nicht mehr erhalten, da mit dem Aussterben der Klevesche-Märkischen Adelsfamilie im Mannesstamm die Kellerämter an Bedeutung verloren bzw. aufgelöst wurden. Teilweise verfielen viele Höfe der Kellerämter. Die Gebäude die jetzt an dieser Stelle stehen stammen aus dem 18 Jahrhundert.  Man kann aber davon ausgehen, dass einige Kellergewölbe, Fußbodenelemente und Grundmauern aus älterer Zeit stammen.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 39 

Vom Großfischtag an der Lenne

In einer unserer ersten Geschichten zur Geschichte Werdohls haben wir schon über den früheren Fischreichtum in der Lenne berichtet. Besonders eindrucksvoll zeigt sich dies in einer  Geschichte die in den Kinder und Jugenderinnerungen von Pet. Wilh. Wiesermann der 1850 in Werdohl geboren ist nieder geschrieben wurde.

Die „einfachen“ Bürger und Bauern durften in alten Zeiten nicht einfach an dem Flußufer angeln. Dieses Recht hatten Anfangs nur bestimmte adlige Familien die die Fischereirechte besaßen. Viel später wurden diese Rechte an Nichtadlige Bürger und Bauern verkauft oder verpachtet.

In den 1860er Jahren besaß der Fischmeister Kohlhage diese Rechte in einem großen Teil der Lenne.  Wenn nicht jedes Jahr, so doch jedes 2. bis 3. Jahr wurde im Sommer ein sogenannter Großfischtag veranstaltet. Dazu wurde eine Bekanntmachung heraus gebracht, dass sich Interessierte an dem und dem Tag um 8:00 Uhr einzufinden haben. Entweder am Ufer des Steinwerth (ein Teil des heutigen Vossloh Geländes) oder an der Höllmecke (unterhalb Ütterlingsen). Gewöhnlich nahmen 20 bis 25 Männer daran teil, in denen die Hälfte sich quer in den Fluss stellten und diesen mit einem langen Netz absperrten. Die andere Hälfte machte das selbe an dem anderen Treffpunkt. Nun rückten die beiden Kolonnen mit möglich viel Geräusch, um die Fische vor sich herzutreiben, allmählich gegeneinander vor.

Als sie sich fast gegenüberstanden wurden die zusammen getriebenen Fische mit kleinen Netzen oder mit der Hand heraus geholt. Die erbeuteten Fische wurden dann auf einen großen Haufen zusammen geworfen und dann abgewogen bzw. verteilt.

Dem Fischmeister, der das Fischrecht besaß, fiel die Hälfte der ganzen Ertrages zu, die er dann auf dem Markt in Altena und Iserlohn verkaufte. Die andere den Mitwirkenden zu gleichen Teilen zufallende Hälfte wurde genau abgezählt. In den Erinnerungen des P.W. Wiesermann steht, dass jeder Teilnehmer bis zu 80 große Fische bekam. Ein Zeichen wie fischreich damals die Lenne war.

Bild: Blick auf dem Steinwerth (im Vordergrund) wo sich ein Teil der „Fischer“ traf. Heute befindet sich ein Teil der Firma Vossloh auf dem Gelände.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 38 

 

Ein Parkplatz auf dem Dach

Mit dem Bau der Ruhr Sieg Strecke siedelten sich auch immer mehr Unternehmen in unsere Stadt an. Ob sie sich nun zu großen Unternehmen entwickelten, oder Teil eines Konzerns wurden oder ob es ein kleines Familienunternehmen blieb, hatte jedes Fabrikgebäude eine bestimmte Bauweise.

Die Produktionshallen an Lenne und Verse sahen oft ähnlich aus, da es sich um eine einfache Baureihe aus Stahlträger, Ziegel und Wellblech handelte.

Anders dagegen waren schon die Verwaltungsgebäude die fast jedes Unternehmen individuell gestaltete. Sehr oft wurden Ziegel verbaut und einige kleinen Ausschmückungen und Verzierungen hinzugefügt. Die Bauweise änderte sich nach dem Weltkrieg und mit dem Beginn des „Wirtschaftswunders“. Die Gebäude mussten groß sein, mit großen Fenstern und einer Empfangshalle. Schließlich wollte man den Kunden und der Bevölkerung den Eindruck vermitteln, dass es sich hier um ein gesundes auf Wachstum bedachtes Unternehmen handelt.

Einen besonderen Verwaltungsbau gab es an der Plettenberger Straße wo sich einst die Firma Kracht Pumpen befand. Nach der Umsiedlung der Firma in die Gewerbestrasse übernahm VDM das Gebäude. Dieses Gebäude war für Werdohler Verhältnisse einmalig und auch in den Nachbarstädten des Kreises gab es so etwas äußerst selten. Es handelte sich um einen Parkplatz auf dem Dach des Gebäudes. In den fünfziger Jahren in deutschen Großstädten öfters anzutreffen war so eine Bauweise im ländlichen Raum eine Rarität. Manch einer der sich die parkenden Autos auf dem Dach ansah, hatte das Gefühl das ein Hauch von „Großstadt“ durch Werdohl wehte.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls Teil 37 

 

Vom Dorfpolizist gab es mit dem Säbel „eins hinten drauf“

Wie aus den Büchern von Wilhelm Busch oder Astrid Lindgren hören sich die Geschichten über die „kleine Kinderbande“ meist Jungen in den 20er Jahren aus dem Bereich Neustadtstraße, Brüderstraße und Schulstraße an. Jungen haben natürlich immer Hunger und ein Stück Wurst war zu dieser Zeit schon etwas Besonderes. Es gab in der oberen Neustadtstraße einst die Metzgerei Brockmann (später Ohrmann).  Die Metzgersfrau war bei den Kindern sehr beliebt, denn es gab bei jedem Einkauf immer eine Scheibe Wurst zum Naschen.

Die Würste hingen in Laden an einer Stange und waren bei dem meist geöffneten Oberlicht leicht mit einer Stange zu erreichen. Mit einem langen Stock gelang es den Jungen an die Würste zu gelangen, eine zu lösen und schon rutschte diese durch dem Oberlicht nach draußen.

Aber es wurden nach Aussagen der betroffenen Kinder nie mehr als eine Wurst genommen. In dem Bereich gab es einen kleinen Park, so nannte man die Grünfläche des ehemaligen Friedhofes. Er lag zwischen dem heutigen Bürgerhaus (Feuerwehr) und dem Gebäude in welches sich das Jugend und Bürgerzentrum befindet. In diesem Park hielten sich die Kinder gerne auf und dort wurde auch meistens die stibitzte Wurst gerecht aufgeteilt.

Manchmal wurden sie auch erwischt und zwar vom Dorfpolizisten Schulte. Dieser wohnte im Polizeihaus (heute Bürgerhaus) und dem Furk (Dorfgefängnis) . Es wird erzählt, dass er ein sehr großer Mann war, der immer einen Säbel und eine Pickelhaube trug.

Die Jungen mussten sich dann bei ihm melden, in einer Reihe aufstellen, bücken und dann gab es mit der flachen Seite des Säbels einen kräftigen Schlag „hinten drauf“. Damit war die Sache für die Staatsgewalt erledigt. Nicht aber für den Lehrer und die Eltern.  So mussten die Jungen schon mal beim Lehrer antreten und abends dann einzeln bei ihren Vätern um sich ihre Strafe abzuholen.

Es gab noch viele Streiche die dort getrieben wurden, und wenn man es hört, fühlt man sich an Max und Moritz oder an Michel aus Lönneberga erinnert.

 

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Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 36 

Ein kleines „Dorf“ in Ütterlingsen

Vom Ende der 30er bis in den 60er Jahren stand in Ütterlingsen ein „kleines Dorf“. Es befand sich gegenüber dem Freibad und erstreckte sich bis kurz vor der Eisenbahnbrücke über die Hauptstraße. Das „Dorf“ war tatsächlich eine geschlossene Siedlung mit Straßen und vielen kleinen Häusern. Die Straßen hatten Namen, darunter Königsberger und Stettiner Straße; sie waren mehr unbefestigte Wege. Bei Regenwetter gab es da etliche Pfützen und Unebenheiten. Doch das störte damals kaum jemanden. Wer hatte in den 40er und 50er Jahren denn schon ein Auto? Auf Grund der kleinen Häuschen wurde das Dorf im Volksmund auch „Negerdorf“ genannt. Anscheinend erinnerten die kleinen Häuser manchen an Siedlungen in Afrika.

Gegründet und gebaut wurde die Siedlung einst auf Geheiß der NSDAP. Den Häusern sollten Parteigünstlinge als Wochenendhäuser dienen. Dazu ist es aber nie gekommen, da der von denen selbst angezettelte Weltkrieg machte dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung.

Bewohnt wurden dann die Häuser zuerst von ausgebombten Familien aus dem nahen Ruhrgebiet. Anschließend kamen Flüchtlinge hinzu die auf Grund des Krieges ihre Heimat verlassen mussten.

Die Menschen die in der Siedlung wohnten, waren froh eine akzeptable Unterkunft erhalten und in Werdohl eine neue Heimat gefunden zu haben. Jede Familie erhielt eine kleinen Häuschen mit zwei Zimmern und einer Küche. Es gab aber auch zwei große Baracken.  Viele richteten sich sehr schön ein, sie bauten unter dem Haus einen Keller und vor allem auf freie Flächen um die Häuser herum wurden Gärten angelegt. Vor etlichen Fenstern hingen Blumenkästen und fast jeder nannte ein Gemüsebeet sein Eigen.

Mit dem Bau von neuen Wohnungen der Wohnungsgesellschaften wurde in den 60er Jahren genügend Wohnraum für die Flüchtlinge und Vertriebene des Krieges geschaffen und die Menschen konnten umziehen. Vielen fiel es schwer, ihr „kleines Paradies“ zu verlassen, aber auf Dauer waren die Häuschen auch zu klein, da die Familien auch größer wurden.

Nachdem alle Neubürger Wohnraum gefunden hatten, wurde das „kleine Dorf“ nicht mehr benötigt und musste weiteren Baumaßnahmen der Wohnungsgesellschaften weichen.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 35 

 

Werdohl und seine „(un)heimlichen“ Gewässer

Die beiden Flüsse Werdohls prägen das Stadtbild, und schon immer bestimmte der Flusslauf die Geschicke der Gemeinde. Sei es nun die Lenne die sich wie ein W durch das Stadtgebiet windet, oder ihre kleinere Schwester die Verse die wie einem kleinen Gebirgsbach ähnlich unterschiedliche Flußbilder präsentiert. Normalerweise fließen die beiden Flüsse bis auf wenige Flußmeter träge dahin und man kann sich an deren Ufern gut aufhalten. Wenn wir mal das Hochwasser bei starken Regenfällen oder bei der Schneeschmelze abziehen, sind es sehr idyllische Flüsse. So hat es wenigstens den Anschein.

In alter Zeit als es noch kaum Fluss Begrenzungen oder die vielen Brücken gab sah es anders aus. Da brachten die beiden Flüsse oft Leid und Elend in so manches Werdohler Haus.

Erkenntnisse was damals geschehen ist, haben wir aus den Kirchenbüchern.  Neben den Todesnachrichten vom Namen des Verstorbenen und vom Geburts bzw. Sterbedatum ist auch sehr oft die Todesursache verzeichnet. Die sind leider nicht alle vollständig, weil es immer darauf ankam wie ausführlich die Pastöre die Kirchenbücher geführt haben. Einige haben nur hin und wieder Auszeichnungen mit dem Todesgrund aufgeführt, andere wiederum haben die Eintragungen sehr ausführlich gepflegt.  So kann man gut verfolgen wann in Werdohl eine Epidemie ausbrach oder wann es zu Unglücksfällen kam. Auch ist ersichtlich, dass die Kindersterblichkeit in Werdohl sehr hoch war. Aber nun zurück zu unseren beiden Flüssen.

Die Kirchenbücher sind aus der Zeit von 1715 bis 1861 ins reine geschrieben worden. Dort ist zu lesen, dass es genau in dieser Zeit zu 23 Todesfälle durch Ertrinken kam. Natürlich wissen wir nur von den Fällen die aufgezeichnet wurden. Von den 23 Todesopfer sind zwei Menschen in der Verse und einer in der Zoppe ertrunken. Alle anderen kamen in der Lenne zu Tode. Erschreckenderweise sind dreiviertel der Opfer Kinder gewesen, darunter oft noch sehr kleine Kinder.

Ein besonderer Fall scheint der Tod eines Säuglings 1782 das Dorf erschüttert zu haben. Hier handelte es sich um eine Mordtat, man fand den toten Säugling am 26. Dezember am Lenneufer. Es wurde absichtlich ertränkt. Weder das Säugling noch die dazugehörige Mutter waren bekannt.  Wir können uns vorstellen was das für Aufregungen in dem Dorf hervorrief.

Wenn man heute am Lenneufer sparzieren geht und auf den gemächlich dahin fließenden Fluss schaut, kann man sich nicht vorstellen dass auch so ein Fluss seine Schrecken haben kann. In der Geschichte Werdohls ist da einiges zu finden.

Bild: Übersetzung aus dem Kirchenbuch zu dem Säuglingsfund in der Lenne

 

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Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 34 

 

Wie der Busenhof zu seinem Namen kam?

So ganz eindeutig ist dies nicht geklärt. Es gibt zwei Theorien die versuchen zu ergründen wie der Busenhof zu seinem Namen kam.

Als erstes müssen wir uns das Dorf Werdohl im Spätmittelalter vorstellen. Bis auf eine kurze Unterbrechung war der Busenhof schon immer ein Gasthaus gewesen. Natürlich hatten die Besitzer auch einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb, aber die Haupteinnahmequelle  waren sicher die Gäste des Gasthauses.  Und dieses Gasthaus hatte eine ideale Lage im Dorf. Nicht weit von der Lennebrücke und dem dortigen Zoll entfernt war das Gasthaus zentraler Anlaufpunkt der Fuhrwerke und anderen Reisenden. Auf Grund der Größe des Hauses war das Gasthaus anscheinend sehr erfolgreich. Dort trafen sich auch die in der Nähe ansässigen Adligen wenn sie im Dorf Geschäfte tätigten.

Der Busenhof stand auch in unmittelbarer Nähe der Kilianskirche die sich auf einen kleinen Hügel gegenüber der Lennefurt erhob. Dieser diente als Schutz vor Hochwasser und hinter der Kirchmauer fanden die Dorfbewohner auch schon mal Schutz während der Auseinandersetzungen im 30 jährigem Krieg. Von dem Hügel ist durch laufende Baumaßnahme der Jahrhunderte kaum noch etwas zu sehen. Wenn man heute im „Alten Dort“ steht und zum Friedrich Keßler Platz blickt, kann man die Erhebung nur noch erahnen.

Niedrige Hügel wurden Busen oder Bussen, der Hof wegen seiner Hügellage Busen – oder Bussenhof genannt. Das wäre die erste Theorie.  Eine zweite Theorie geht auf dem Besitzer des Hofes zurück. Lange Jahre war eine Familie Buse oder Busse Eigentümer des Gasthauses. Da in der Zeit des Spätmittelalters die Familiennachnamen erst im Kommen waren, wurden aber auch oft die Besitzer von Höfen nach dessen Namen benannt, der sich dann von Generation zu Generation fortführte.

Also könnte man dann doch von nur einer Theorie ausgehen, da der Wirt und Besitzer des Busenhofes auch Busenwirt genannt wurde. Ob der Hügel (Buse) oder der Familienname schließlich dem Busenhof seinen Namen gab ist letztlich zweitranging. Sicher ist nur, dass sich dort das älteste Gasthaus von Werdohl befand und man auch heute noch dort gemütlich einkehren kann.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 33  

 

Was hat es mit den Haferkästen auf sich?

Wenn man durch die Siedlung „Alt Pungelscheid“ geht, fallen einen zwei kleine Gebäude am Straßenrand auf. Man nennt diese Gebäude „Haferkästen“. Viele Werdohler wissen natürlich welche Funktion die Haferkästen hatten. Es gibt aber auch einige Zeitgenossen, vor allen Dingen auch Kinder die sich über diese kleinen Häuschen wundern. Oft wird von Kindern vermutet, dass dort arme Leute wohnten, die sich nur ein kleines Haus leisten konnten. Mit den Holztüren und den kleinen Fenstern sehen sie tatsächlich wie  kleine Häuser aus.

Aber die „Haferkästen“ hatten eine andere und vor allen Dingen wichtige Funktion. Natürlich haben dort nie Menschen gewohnt, sondern die „Haferkästen“ dienten wie es der Name vermuten lässt der Vorratsspeicherung.

Diese „Haferkästen“ waren nicht nur ein Privileg von reichen Bauern, sondern sie standen in unterschiedlichen Formen und Größen auf jeden Bauernhof. In ganz frühen Jahren diente die Deele auf einem Bauernhof als Lagerplatz des Hafers welches im Winter für die Viehfütterung verwendet wurde, sowie für das Saatgut des nächsten Jahres. Wenn zum Beispiel auf einem Bauernhof ein Brand ausgebrochen ist, war das Futter für die Tiere und das Saatgut ebenfalls vernichtet und es herrschte große Not.

Nach den Erfahrungen im 30jährigen Krieg, in den sehr oft Bauernhöfe in Brand gesteckt wurden, ging man dazu über die Lagerung der Vorräte außerhalb des eigentlichen Hofes zu lagern. Die  „Haferkästen“ aus der älteren Zeit waren besonders fest gebaut und mit Schießscharten versehen. Im Falle einer Gefahr in den frühen so oft unruhigen Zeiten, diente er als Zufluchtsstätte der Hofleute.

Sie wurden so gebaut, dass weder Feuchtigkeit, Mäusefraß, Stalldünsten und Feuergefahr die Vorräte angreifen konnten. Die Sicherung der Ernte hat sich durch den Bau der „Haferkästen“ zum Wohle der Menschen verbessert. In  Alt Pungelscheid haben wir zwei gut erhaltene Beispiele dieser „Haferkästen“, die natürlich von Region zu Region unterschiedlich aussehen.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 32 

Die Geschichte vom „Felixturm“ in Werdohl

Der Remmelshagen, den man ruhig als den „Hausberg“ Werdohls nennen darf, war schon in vergangenen Zeiten immer ein beliebtes Ausflugsziel vieler Werdohler. Einst noch mit einer Gaststätte ausgestattet lud es viele Werdohler an den Sonntagen zu einer kleinen Wanderung ein. Von der Aussengaststätte hatte man einen herrlichen Blick ins Tal. Selbst eine Jugendherberge gab es dort einige Jahre.

Was viele Werdohler aber nicht mehr wissen ist die Tatsache, dass es dort oben auf dem Remmelshagen auch mal einen Aussichtsturm gab. Solche Türme wurden oft für die Katastervermessungen errichtet.  Zur Überwindung des Bewuchses wurden hölzerne Aussichtstürme gebaut. In vielen Fällen wurden für die Vermessung eigens errichtete Gerüste als Aussichtstürme umgebaut.

Wie der Werdohler Aussichtsturm entstanden ist, kann man heute leider nicht mehr feststellen. Man weiß aber, dass er den Namen „Felixturm“ hatte, dessen Ursprung auf den Inhaber der Werdohler Apotheke Felix Schmull zurückging.

Der Turm hatte eine Höhe von 10 Meter und die Baukosten betrugen 200 Mark. Eingeweiht wurde der Turm im September 1891 und er lag 448m ü.M

Man kann sich sicher vorstellen, dass das eh schon beliebte Ausflugsziel um diese Attraktion reicher wurde und viele Werdohler den Weg zum Remmelshagen fanden.

Eine alte Ansichtskarte (hier aus einem Buch abfotografiert) vom Remmelshagen zeigt den Aussichtsturm wie er ausgesehen hat. Der hölzerne Turm ist später verrottet und allmählich in weiten Kreisen der Bevölkerung in Vergessenheit geraten.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 31 

Feste feiern im Kaisersaal

An der Stelle wo sich heute die Volksbank befindet, stand einmal ein anderes Gebäude. Viele Werdohler wissen nichts von der Existenz eines großes Hotels und einer Festhalle an dieser Stelle.

Das große Wohngebäude das dort einmal stand, soll nach mündlichen Überlieferungen nach dem großen Brand so um ca. 1830 erbaut worden sein. Dann klaffte eine große Lücke bis 1891. In diesem Jahr wurde dem Lüdenscheider Konditor Eugen Wolff die Genehmigung zum Betrieb einer Gast- und Schankwirtschaft in dem vorgesehenen Gebäude im Alten Dorf erteilt. Die Gaststätte erhielt den Namen: „ Hotel Germania“.

Weil in Werdohl eine Festhalle fehlte, reichte der neue Besitzer einen Antrag zum Bau einer Festhalle ein. Im Jahre 1894 bekam er die Genehmigung zum Bau einer solchen Halle. Ein Name wurde entsprechend der damaligen Zeit schnell gefunden. „Kaiserhalle“.

In dieser Kaiserhalle wurden fortan viele große Feste verschiedener Vereine gefeiert. Im Jahre 1895 wurde sogar das Schützenfest dort gefeiert. Dies blieb aber nur eine einmalige Episode, da der Festablauf in der Halle nicht ganz so stimmungsvoll war wie sich der Schützenverein das gerne gedacht hatte. Das letzte große bedeutende Fest fand im Jahre 1919 dort statt.

1920 wurde der „Kaisersaal“ umgebaut und die Firma Noelle & Co. richtete dort eine Aluminiumgießerei ein. Damit war die kurze Geschichte der ersten großen Festhalle in Werdohl zu Ende. In dem ehemaligen Hotel „Germania“ folgte 1937 ein weiterer Umbau als die damalige Spar und Darlehnskasse, jetzt Volksbank dort einzog.

Nach der Firma Noelle & Co. Nutze die Firma Klauke die alte Festhalle als Lager und Verkauf. Die Gebäude des ehemaligen Hotels und der Festhalle wurden 1982 abgebrochen, und ein Neubau der Volksbank ist an dieser Stelle errichtet worden.

Bild 1: Zeitungsanzeige und das Hotel „Germania“ um 1894

Bild 2: Luftaufnahme aus den siebziger Jahren. Oben in der Mitte kann man die Größe des ehemaligen Kaisersaals ersehen.

 

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Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 30 

Wie war das nochmal mit der Soppe/Zoppe

Bis zu einem bestimmten Jahrgang kennt eigentlich jede Werdohlerin und jeder Werdohler die Soppe, oder auch Zoppe. Die Schreibweise ändert sich je nach Verfasser schon mal. Für die meisten Werdohler die das Nebengewässer der Lenne noch erlebt haben war die Soppe ein manchmal etwas übel riechender Fluß. Er floss am Grasacker entland, am Alten Dorf vorbei und mündete in der Kurve der Altenaer Strasse in die Lenne. So war es aber nicht immer.

Die Soppe muss ein sehr alter Lennearm gewesen sein, der in alter Vorzeit an den Steilhängen der Egge entlang floss. Noch Mitte der 1800er Jahren waren am Rande der Plettenberger Strasse, wo heute die Werkhallen von VDM stehen Altwässer zu finden. Sie war ein nur durch Grund und Quellwasser, fast stillstehendes Gewässer. Die Werdohler nutzen diese Altwässer als Schweinehude.

Bei einem mit Hochwasser verbundenen Eisgang im Winter 1766 hatten sich infolge einer Kiesbank die Eismassen oberhalb der Versemündung gestaut, die Hochwassermassen gegenüber der Vorth durchbrachen die Wiesen und ergossen sich in die Soppe. Das ganze Dorf Werdohl kam in Gefahr und mehrere Häuser waren vom Einsturz bedroht. Vieles musste danach wieder hergerichtet werden, vor allen Dingen die kleinen Brücken die von der damaligen Strasse „In der Ruhr“ zum Dorf führten. Zu dieser Zeit mündete die Soppe noch unmittelbar vor der Stadtbrücke in die Lenne.

Nachdem die Soppe durch den Duchbruch gegenüber der Versemündung ein neues Bett bekam, versiegten so langsam die Altwässer und  das Wasser bedrohte durch den direkten Zugang von der Lenne bei jeden Hochwasser das Dorf. Hier musste dringend etwas geändert werden, da sich auch die Eismassen bei der Schneeschmelze vor den engen Bögen der Stadtbrücke stauten. Das Wasser, welches dadurch nicht abfließen konnte, suchte sich den Weg durch das Dorf. Später wurde der neue Einbruch der Soppe auch als Obergraben der Firma Kugel und Berg (dem Vorgängerunternehmen von VDM) genutzt.

Im Jahre 1858 wurde die Soppe, die bis dahin an der Stadtbrücke in die Lenne mündete, bis zur Stelle gegenüber des Steinwerth verlängert. Dies ist das Mündungsgebiet an der Altenaer Strasse welches heute noch vorhanden ist. Dazu wurde ein Stück der im Besitz des Dorfes befindlichen, „der Sand“ genannten Uferfläche vom Dorf abgeschnitten und endete so als verlängerte Insel. Zwar konnte man durch die Verlängerung der Soppe nicht ganz das Hochwasser verhindern, aber die Gefahr wurde  erheblich verringert. Besonders den Anwohner der „Ruhr“ (heute Goethestrasse) war dadurch geholfen. Floss das Soppewasser bei Hochwasser und Eisgang durch die Verlängerung bis zur Altenaer Strasse schneller ab, und staute sich nicht mehr an den engen Brückenbögen der Stadtbrücke.

Die Soppe ist  teilweise zugeschüttet worden, bzw. ist verrohrt. Nur kurz vor der Mündung tritt sie wieder zu Tage und mündet in die Lenne.

Man sieht, auch ein ehemaliger manchmal übel riechender Fluss hat seine Geschichte.

Bild: im Vordergrund ein Teil der verlängerten Soppe.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 29 

Wie eine halbe Brücke eingeweiht wurde

In jedem Ort und zu jeder Zeit gibt es immer wieder sogenannte „Originale“ die mit ihrem Wesen oder ihren Handlungen bei den meisten Menschen sehr lange in Erinnerung bleiben.  Zwei Werdohler „Originale“ waren Karl Heutelbeck und Paul Ringel, die von den Werdohler scherzhaft „der Lange und der Dicke“ genannt wurden.

Karl Heutelbeck war der Wirt des gleichnamigen Hotels und Lokals (heute Salon Groll), und Paul Ringel besaß ein Milchgeschäft direkt an der Stadtbrücke (heute ein Spiel und Wettladen).  Wenn die beiden Herren mit ihren gestreifte Metzgerjacken und Zylinder anrückten, wussten die Werdohler das wieder ein Spaß ins Haus stand.

So zum Beispiel am 16. Mai 1953.  Die heutige Stadtbrücke wurde 1953 gänzlich erneuert, und das geschah in zwei Bauabschnitten, jeweils eine halbe Brücke. Eine Hälfte war fertig, als am 16. Mai morgens die beiden Herren anrückten, ein weißes Band am Anfang der Brücke spannten und mit der  Eröffnungszeremonie für eine halbe Brücke begannen.

So fuhren „der Lange“ und „der Dicke“ an der Stadtbrücke vor, um die „halbe Portion“ den fertigen Brückenabschnitt, schon mal einzuweihen. Das weiße Band wurde gespannt und nach alter Tradition auch durchschnitten. Vor der verdutzen Brückenarbeitern hielt Karl Heutelbeck eine kleine Eröffnungsrede. Das nötige „Brückenwasser“ in Form eines Kasten Bier hatten die Spaßvögel natürlich dabei.

Es soll bei der inoffiziellen Brückeneinweihung „hoch hergegangen“ sein, so wird glaubwürdig überliefert. Natürlich bekamen die beiden bei der späteren echten Eröffnung der Brücke eine besondere Einladung.  Die Show aber auch die Lacher auf ihrer Seite hatten die beiden auch bei dieser Veranstaltung. Es gab viele Veranstaltungen in Werdohl denen die beiden Herren immer eine besondere Note verliehen.

 

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Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 28 

Als den Werdohlern das Bier brauen verboten wurde.

Bevor die Stadt Neuenrade gegründet wurde, bestand die Bauernschaft „Rade“ oder auch „Rode“ nur aus fünf Höfen. Diese fünf Höfe gehörten noch zum Kirchspiel Werdohl. Im Jahre 1353 gründete Graf Engelbert III. von der Mark in der Nähe der Bauernschaft die Stadt Neuenrade. Das neu gegründete Neuenrade sollte als Grenzbefestigung  zu der benachbarten Grafschaft Arnsberg dienen. Die Bewohner der Bauernschaft  wurden „gezwungen“ sich in der neuen Stadt anzusiedeln.

Werdohler Bauern mussten beim Bau der Stadt mithelfen, seien es nun direkt beim Bau der Stadt oder durch Gespanndienste. Wie im späten Mittelalter üblich bekamen die Bewohner einer Stadt bestimmt Rechte und Vorteile. Die ehemalige Gleichheit zwischen den Bauern Werdohls und der Bauernschaft Rade war mit dem Bau der Stadt dahin. Jede Stadt hatte verschiedene Privilegien. Ziel dieser Privilegien war es neue Bewohner in die Stadt zu locken, bzw. die Wirtschaftskraft und die dadurch erzielten Steuereinnahmen zu stärken. Heute würde man es Subventionen nennen.

Zu jener Zeit hatte fast jeder Bauer in Werdohl und Umgebung sein eigenes Bier gebraut. Das war so selbstverständlich wie die Felder zu bestellen oder das Vieh auf die Weiden zu treiben. Mit ihrer Gründung bekam die Stadt Neuenrade unter anderem das Brauprivileg. Das heißt, die Werdohler Bauern durften kein eigenes Bier mehr brauen, sondern mussten es in Neuenrade erwerben. Wenn man sich die Entfernung und die damalige Möglichkeit nach Neuenrade zu gelangen vorstellt, hat dies sicher nicht zur Begeisterung der Werdohler Bauern geführt.

Da Neuenrade immer noch zum Kirchspiel Werdohl gehörte, hat man sich im Gegenzug dagegen gewehrt, dass Gottesdienste und Beerdigungen in Neuenrade abgehalten werden konnten. Dafür mussten die Neuenrader jedes Mal den Weg nach Werdohl auf sich nehmen.

Ob diese Weigerung der Werdohler im Zusammenhang mit dem Bierbrauverbot stand, oder man sich nur die Einnahmen in die Kirchenkasse sichern wollte ist nicht bekannt.

 

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Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 27

Ein „Berg“ wird bis zur Hälfte weg gesprengt

 

Momentan gibt es in Werdohl einige größere Baustellen die unter anderen der Verkehrssicherheit dienen. An Felshängen mussten Bäume gefällt  und Hangsicherungen durchgeführt werden. Es kommt immer wieder vor, dass sich Felsgestein löst, und  Bäume an den steilen Hängen in die Jahre kommen und die Standsicherheit langfristig nicht mehr gewährleistet ist. Hier muss man reagieren bevor etwas passieren könnte. Auf der anderen Seite müssen Brücken renoviert oder neu gebaut werden, da diese für den steigenden Schwerverkehr nicht mehr ausreichend sind.

Großbaustellen sind aber nun keine Erfindung unserer neueren Zeit. Mit dem Ausbau und der Verbreiterung des Straßennetzes in unserer Stadt gab es schon immer wieder größere Baumaßnahmen. Dies ist hauptsächlich den immer größer werdenden Verkehrsaufkommen geschuldet.

Eine davon ist der Bau einer breiteren  Zufahrtsstraße von Versevörde zur Feldstrasse oder besser gesagt zur Königsburg. Jeder Werdohler kennt den großen Versevörder Felsen der  eindrucksvoll in die Höhe ragt. Dieser Felsen war einst doppelt so groß und muss wirklich beeindruckend gewesen sein. Die einzige Zufahrt zur gerade erst besiedelten Königsburg war vor dem Bau der Vorthbrücke der Weg über die Vorthstrasse zum Holte, oder ein schmaler Weg zur Feldstrasse. Menschen, Fuhrwerke und vereinzelt ein paar Autos mussten diese schmalen Wege zwischen Felsen und Lenne nehmen. Der Versevörder Felsen der früher auch Versevörder Ley genannt wurde ließ keinen Platz für breitere Straßen. Wenn die Lenne schiffbar  wäre, hätte man vom Fluss mit dem Blick auf den Felsen durchaus Ähnlichkeiten mit der Loreley am Rhein feststellen können. (wie man es auf dem alten Foto sehen kann).

Nun wurde die Besiedlung der Königsburg und Dachhausen immer größer und auch der Verkehr nahm immer mehr zu. Die schmale Vorthstrasse war bald nicht mehr ausreichend. Eine neue Straße musste her. Da man die Lenne nicht umleiten konnte um die Straße zu vergrößern, musste ein Teil des Felsens weichen. Durch zahlreiche Sprengungen wurde die massive große Felswand auf die Hälfte reduziert, bis man die jetzige vorhandene Straße bauen konnte.

Selbst wenn der Felsen heute noch imposant aussieht, was für ein Anblick muss er geboten haben als er noch vollständig war.

Leider wächst der größte Teil des Felsen langsam mit Bäumen zu, so dass in den Sommermonaten ein großer Teil des Felsens durch das Laub verdeckt ist. Früher war der Felsen wohl völlig Baum frei. Aber wie uns die Baumaßnahmen der heutigen Zeit zeigen, wird auch der Baumbestand irgendwann mal weichen müssen. Die Wurzeln der Bäume haben bald  nicht mehr genügend Halt an der Felswand und diese könnten Felsen zum Brechen bringen, die dann auf die Fahrbahn stürzen könnten. Sollten solche Maßnahmen erforderlich sein, hätte man wie in alten Zeiten wieder den freien Blick zur felsigen Steilwand.

Bild: der Versevörder Felsen (Ley) vor der Sprengung

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Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 26

 

Vom Mühlzwang und der königlichen Mühle

Die Mühlen in unserer Region dienten schon immer als kräftige Einnahmequelle der Landesherren. Das haben auch schon die Grafen von der Mark so gesehen. So wurden von Gert von Plettenberg im Auftrage der Märkischen Grafen zwei Mühlen in Neuenrade gebaut, wobei die Werdohler Bauern Arbeits- und Gespanndienste zu leisten hatten. Diese beiden Mühlen wurden mit einem Mühlenbann ausgestattet, das heißt, dass die Bewohner des Kirchspiels Werdohl nur diese Mühlen benutzen durften. Der Mühlenpächter bekam nur den festgeschriebenen Anteil, und ein Großteil landete in den Staatshaushalt des Grafenhauses.

Nachdem die Grafschaft Mark vom Herzogtum Kleve heraus regiert wurde, spielte der Mühlenbann keine Rolle mehr, und es wurden von einzelnen Bürgern und adligen Familien neue Mühlen auf Werdohler Gebiet erbaut. So zum Beispiel die Mühle am Rutenpaul, oder die Mummenmühle an der Mündung der Schwarzen Ahe in die Verse.

Nachdem nun die Mark durch den Erbgang an Preussen kam, änderte sich einiges. Die Verwaltung der Grafschaft Mark war 1717 bei der Übernahme der Regierung durch König Friedrich I. völlig überschuldet. Der sparsame König versuchte nun den Haushalt der Grafschaft wieder in den Griff zu bekommen.  Ein Mittel war die Einführung des Mühlzwangs. Wie bei den alten Grafen von der Mark durften die Bauern auch unter preußischer Führung nur in bestimmten Mühlen mahlen lassen. Dazu entstanden neue Mühlen.  So wurde 1727 die königliche Mühle in Versevörde erbaut.

Die anderen Mühlen mussten den Betrieb einstellen und verfielen langsam, da ja nur die königliche Mühle das Recht hatte Getreide und Öl zu mahlen. Die Mummenmühle wurde seit der Zeit „die alte Mühle“ genannt, woraus sich später der Ortsteil Altenmühle entwickelte.

Die königliche Mühle in Versevörde wechselte öfter den Pächter, und die Erben des letzten Pächters der königlichen Mühle sind noch heute im Besitz des Anwesens.

Heute erinnert nur noch der Straßenname Mühlenweg an die Existenz der königlichen Mühle.

Bild: Im Vordergrund die Häuser im Mühlenweg. Die königliche Mühle stand ungefähr dort, wo man das große Gebäude  sieht.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 25

 

Die verschwundenen Namen

Manchmal passiert es, dass im Laufe der Jahrzehnte oder Jahrhunderte Namen von Siedlungen oder anderen ortsrelevanten Bezeichnungen einfach verschwinden. Oft liegt es daran, dass Siedlungen aufgegeben werden, oder dass sie einfach einen anderen Namen bekommen, der sich im Laufe der Jahrzehnte in der Bevölkerung durchsetzt.

Dies ist auch in Werdohl der Fall, wie wir hier an zwei Beispiele zeigen wollen. Das Dorf Werdohl war mit seiner Brücke ein wichtiger Durchgangspunkt auf dem Weg von Köln nach Arnsberg. Die eigentliche Dorfansiedlung befand sich in alten Zeiten nur auf der rechten Lenneseite. Die linke Lenneseite hieß im Volksmund Etlingen oder Etlingohle (das Wort Ohl(e) steht für eine größere Uferfläche)

Graf Engelbert III von der Mark erwarb die Fläche zu Etlingohle,  und sicherte sich dadurch die  Kontrolle über die Werdohler Lennefurt. Die dort gebauten Bauernhöfe übernahmen die Flurbezeichnung. Im Laufe der Zeit verschwand aber der Siedlungsname, da weitere Häuser dort gebaut wurden und das Dorf wuchs nun mit beiden Lenneseiten zusammen. Heute nennt man das Gebiet Bahnhofsviertel.

Das zweite Beispiel ist die Quatmecke. Dieser Name ist so gut wie völlig vergessen. Es handelte sich um einen Dorfbach der bis zur Verlängerung der Soppe seine Mündung in die Lenne am Sand hatte. Die Quatmecke entsprang in den beiden tiefen Hohlwegen, die einst über den Tunnel zur Neuenrader Straße führten. Der Bach ist beim Bau der Ruhr Sieg Strecke im tiefen Einschnitt der Bahntrasse verschwunden. Noch etliche Jahre nach dem Bahnbau konnte man das Mündungsgebiet des Baches am „Sand“ durch den dort vorhandenen Schilfbewuchs erkennen.

Das man heute noch Kenntnisse von den verschwundenen Namen hat, ist den Aufzeichnungen von Alfred Colsman (+ 1936) zu verdanken.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls  Teil 24

 

Das Waldversteck

Aus Büchern und Urkunden oder im Stadtmuseum kann man viel über die Geschichte Werdohls erfahren. Es gibt aber auch Geschichten zur Geschichte die sich in Lebenserinnerungen wiederfinden.

Eine davon stammt aus den „Werdohler Erinnerungen“ von Peter Wilhelm Wiesermann 1850-1932. Diese Geschichte hat P.W. Wiesermann von seinem Vater erzählt bekommen, und hat sie in seinen Erinnerungen nieder geschrieben.

Im Jahre 1812, als Westfalen unter französischer Herrschaft stand – Napoleon hatte seinen Bruder Jérome zum König von Westfalen gemacht -, sollte sein Onkel ein gewisser Dunker als Jüngling von den Franzosen eingezogen werden, um mit vielen anderen westfälischen Männern für die Franzosen gegen die Russen kämpfen.

Der Onkel jedoch sah nicht ein, für einen fremden „Herrn“ zu kämpfen, und hat es vorgezogen, sich in die Werdohler Berge und Wälder zu verstecken. Da es bis auf das Dorf wenige Siedlungen um Werdohl herum gab, waren die Wälder größer und undurchdringlicher als heute.

Nachts hätten ihn dann seine Angehörigen in seinen Schlupfwinkeln aufgesucht und ihm Nahrungsmittel gebracht.

Über ein Vierteljahr habe er so in den Bergen gehaust, bis die französische Armee in Russland vernichtet worden sei. Leider ist in den „Erinnerungen“ nicht nieder geschrieben, wie und wo der Dunker im Wald gelebt hat.

Erst dann hat er sich hervor gewagt und konnte sich im Dorf wieder zeigen. Natürlich hatte er viel zu erzählen, und jeder wollte wissen, wie es so in den Wäldern war.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls     Teil 23

 

Ein Fährmann in Werdohl

Wenn man vor hunderte von Jahren Flüsse überqueren wollte, nutze man wie heute Brücken. Es gab bei manchen Flüssen aber auch sogenannte Furten, die es ermöglichten durch einen flachen Flussverlauf bequem das andere Ufer zu erreichen. Meistens wurden diese Furten von Steuereintreibern in Zollstationen oder sogenannte „Hagen“ bewacht. Die Landesherren waren schon immer erfinderisch wenn es um die Steuereintreibung ging. Bei größeren Flüssen gab es sogar eine Fähre die Menschen und Lasten bequem über das Wasser beförderte.

Und in Werdohl? Das Dorf Werdohl mit seinen Bauernschaften z.B im Versetal war natürlich nicht mit so vielen Brücken gesegnet wie es heute der Fall ist. Oft mussten Umwege in Kauf genommen werden, um heil über die Lenne zu kommen. Das Dorf Werdohl verfügte zwar schon sehr früh über eine Brücke, aber auf Grund des Flussverlaufes der Lenne im heutigen Stadtgebiet, war es manchmal nicht leicht zum Dorf zu kommen.Besonders die Bauernschaften auf den Höhen hatten oft einen langen Weg vor sich, um Gottensdienste in der Kilianskirche zu besuchen.

Das wußte auch die adlige Familie „von Neuhoff“ die auf der „Burg Pungelscheid“ wohnte. Um ins Dorf zu gelangen, hätte sie den heutigen Pungelscheider Weg, übern Altenhagen bis zu den damals bekannten Ottersheimer Höfen (heute ungefähr Kleinhammer) nehmen müssen, um dort über die Verse zu gelangen.Dann ging es auf der anderen Uferseite wieder zurück ins Dorf, um die alte Dorfbrücke zu benutzen.

Nun gehörte den Neuhoffs nicht nur die Burg Pungelscheid, sondern sie hatten auch viele Besitzungen in der Nachbarschaft. In der Bauernschaft „Vorth“ unterhalb vom „Holte“ (heute im Stadtteil Königsburg) wohnte ein Fährmann, der die Neuhoffs bei Bedarf mit seiner Fähre über die Lenne übersetzen musste. Sei es nun um in die Kirche zu kommen, oder ob sie einfach ins Dorfhaus, das Drostenhaus wollten. Wie die Fähre nun genau aussah, darüber gibt es keine Berichte.

Aber sicher ist, das neben den Städten und Gemeinden an den großen Flüssen, auch Werdohl einen Fährmann besaß. Diese Tatsache ist im Sauerland schon fast einmalig.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls     Teil 22

Über den Werdegang einer ungewöhnlichen Schule

Was viele Werdohler nicht wissen, oder vergessen haben, ist die Tatsache dass es auf unserem Stadtgebiet einst eine Ackerbau – Schule gab. Diese war ein Internat wo junge Bauernsöhne und Töchter die neuesten Erkenntnisse des Ackerbaus im Königreich Preußen erlernen konnten.

Gegründet wurde die Schule 1845 vom Pfarrer Nohl aus Herscheid, und sie befand sich auf dem Riesenrodt. Das Gut Riesenrodt stand dort, wo sich jetzt ein Mehrfamilienhaus an der Friedhofstrasse kurz vor der Kreuzung zur Landwehr befindet.

Die Garten und Obstbaumfläche bestand aus 200 Morgen Land und  bildete zusammen mit den Gärten und Äcker des Gut Wintersohl die Lernfläche der Schule. Verbunden waren die beiden Güter durch eine wackelige Kettenbrücke über der Lenne nach Wintersohl. Im Jahre 1900 riss ein Hochwasser die Brücke mit, und wurde danach nicht wieder aufgebaut.

Nach einigen Jahren verkaufte Pfarre Nohl die Ackerbau Schule, und mit dem Erlös wanderte er mit seiner Familie enttäuscht durch die gescheiterte Revolution von 1848 nach Amerika aus.

Neuer Besitzer wurde der Landwirtschaftslehrer und spätere Ökonomierat Gosker, der die Schule zu hohem Ansehen brachte. Der Riesenrodt war die erste Ackerbauschule in der preußischen Provinz Westfalen.

Die Ausbildung war hart und ein Arbeitstag dauerte so lange, bis abends die Glocke am Riesenrodt läutete. Es gab zum Essen getrennte Tische. Neben dem Herren Tisch gab es einen „Leutetisch“. Die Mädchen und Knechte bekamen keine Wurst, aber Dienstags und Freitags ein Stück Speck. Vorsorglich wurden sie dabei ermahnt es sich einzuteilen.

Die Erzeugnisse der Ackerbauschule Riesenrodt erhielten viele Preise bei Fachausstellungen und Messen. Nach leider nur knapp 40 Jahren ging die Schule in den 1880er Jahren ein und wurde geschlossen.

Nachdem die Landwirtschaftsschule geschlossen war, ging der Riesenrodt in den Besitz der Firma Colsmann. In den 20er Jahren wurde er dann von der Stadt Werdohl übernommen. Im Gutshaus wurden Wohnungen eingerichtet, und das Ackerland wurde schnell zum Bauland. In den 30er Jahren, als die Parole „Kampf dem Verderb“ groß geschrieben wurde, richtete die Stadt Werdohl neben dem großen Gebäude vorrübergehend eine Schweinemastanstalt ein, in die verwertbaren Abfälle aus dem Werdohler Haushalten verfüttert wurden. Mit Beginn des Weltkrieges 1939 wurde auch dieses eingestellt.

Auch eine Schule kann einen interessanten Werdegang nehmen.

Bild: Ölgemälde Gut Riesenrodt mit dem an linken Lenneufer gelegene Gut Wintersohl mit der Kettenbrücke. Bild: Deckblatt eines landwirtschaftlichen Buches mit der ersten Erwähnung der Ackerbauschule unmittelbar nach der Gründung 1845

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Geschichten zur Geschichte Werdohls     Teil 21

Mensch und Tier bei Hochwasser auf engstem Raum

Schon immer lebten die Menschen in Werdohl gut und gerne mit und von dem Fluss. An den Ufern der Lenne standen die Frauen und wuschen die Wäsche, die anschließend zum Trocknen auf den Wiesen zum bleichen ausgebreitet wurden. Wo sich heute der Parkplatz an der Goethestrasse befindet, war die größte Wiese des Dorfes und dort versammelten sich die Frauen des Dorfes bei der großen Wäsche.

Der Fluss gab aber auch Nahrung für die Dorfgemeinschaft. Damals war der Fischreichtum noch größer und die Fischerei sorgte für ein wenig Abwechslung auf dem Speiseplan. Zwar durften nur die Inhaber der Fischereirechte dort fischen, aber das was diese nicht selber benötigten wurde zum Verkauf angeboten.

Für die Kinder des Dorfes war die Lenne im Hochsommer die einzige Bademöglichkeit um der Hitze etwas zu entkommen.  Zu der Zeit war die Lenne in jedem Winter zugefroren, und man nutzte die Eisfläche für manche Eissportarten.

Setzte das Tauwetter ein, wurde es schon gefährlicher. Auf der alten Stadtbrücke standen einige Männer Wache und beobachten das Eis. Wenn bei Tauwetter die Eismassen der Lenne in Bewegung kamen, klang der Warnruf „ Ihs geiht“. Dann eilten die Bürger mit Feuerhaken zum Brückenschutz. Man musste aufpassen, dass die Eisplatten nicht die Brückenpfeiler beschädigten.

Da die alte Stadtbrücke viele Bögen und Pfeiler hatte, wurde bei Hochwasser der Durchfluss des Wassers erschwert. Hinzu kam noch das Schmelzwasser aus den umliegenden Flüsse und Bäche.  Dann waren die Häuser vor allen Dingen am Sand und in der Ruhr (heute Goethestrasse) vom Hochwasser bedroht. Aus diesem Grund waren viele Häuser am Sand so gebaut, dass die eigentliche Wohnung im ersten Stock lag. In der unteren Etage war Kleinvieh wie Hühner, Gänse oder Ziegen untergebracht.

In früheren Zeiten kam das Hochwasser jedes Jahr ohne Ausnahme. In ganz schlimmen Fällen stand das Hochwasser selbst bis am Busenhof und im alten Dorf.

Wenn die Lenne also wieder ihr Bett verlies und über die Ufer trat, wurden schnell die Tiere aus der unteren Etage in den Wohnbereich des ersten Stockes hochgetragen. So mussten manchen Bewohner der Hochwassergebiete ein paar Tage mit den Tieren zusammen in einer Wohnung leben.

Erst mit dem Bau der zahlreichen Talsperren im Sauerland bekam man das Hochwasser unter Kontrolle.

 

Bild: Das Haus stand „Am Sand“. Unten lebte das Kleinvieh und oben wurde gewohnt. Bei Hochwasser wurden die wertvollen Habseligkeiten und die Tiere nach oben getragen. Das Haus ist Ende der 1930er Jahre abgerissen worden. Es stand da, wo sich heute in etwas „Wurst Wagner“ befindet. Im Hintergrund sieht man die Rückfront des ehemaligen Hotels Quitmann. (heute Keinecke)

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Geschichten zur Geschichte Werdohls     Teil 20

Zum 80. Jahrestag der Bücherverbrennung

Kurz nach der Machtergreifung“ der Nationalsozialisten 1933 kam es im März im Zuge einer „Aktion wider den undeutschen Geist“ zu einer organisierten und systematisch vorbereiteten Verfolgung jüdischer, marxistischer und pazifistischer Schriftsteller. Dabei handelte es sich um eine von der Deutschen Studentenschaft geplante und durchgeführte Aktion. Höhepunkt waren die am 10. Mai 1933 in Berlin und  anderen deutschen Universitätsstädten inszenierten öffentlichen Bücherverbrennungen, bei denen Werke verfemter Autoren von Studenten, Professoren und NS-Organen ins Feuer geworfen wurden.

In den Städten wo es keine Studentenbunde gab, übernahmen es oft die örtlichen Parteigliederungen diese Aktion auszuführen.

Und in Werdohl?

Leider gibt es nicht viele Quellen aus der Zeit auf die man sich berufen kann. Zeitzeugen die diese Zeit als Erwachsene erlebt haben, sind nur schwer ausfindig zu machen.  Es gibt aber verschiedene Hinweise dass auch in Werdohl eine Bücherverbrennung stattgefunden hat. So soll man bei der Feuerwehr die Bücher gesammelt und anschließend verbrannt haben. Ob damit nun die Feuerwehr in der Neustadt, oder der sog. Feuerwehrschuppen in der im Volksmund genannte „elektrische Kirche“ am Denkmalplatz gemeint war, spielt eine untergeordnete Rolle. Auf Grund der zentralen Lage des „Denkmalplatzes“ in Werdohl scheint wohl letzteres für die damaligen Machthaber eine Rolle gespielt zu haben. Bücher wurden gesammelt und anschließend verbrannt.

Für eine weitere Aktion in der NS Zeit musste dieser Platz herhalten. Das „Jungvolk“ musste auf dem Platz antreten und feierlich wurden da die schwarz rot goldenen Fahnen der Republik verbrannt. Eine Flagge aus dieser Zeit, wurde vom Fahnenmast des Rathauses herunter gezogen und versteckt. Diese Fahne existiert noch heute und befindet sich im Privatbesitz.

Diese Zeit ist auch in Werdohl nicht einfach so spurlos vorbei gegangen, und sollte für die nachfolgende Generationen  dokumentiert werden.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls     Teil 19

„Glück auf“ auch in Werdohl

Man kann es kaum glauben, aber auch in dem Gebiet um Lenne und Verse hatte es einst Bergbau gegeben. Zwar ist unsere Gegend von den Kohleflözen der Ruhr weit entfernt, aber in unserem Boden lagerte eine Menge Erz. Neben dem Siegerland, ist das märkische Sauerland seit dem Mittelalter für seine Erzvorkommen berühmt. Nicht umsonst haben sich gerade in unseren Tälern eine Menge Hammerwerke gegründet.

Wo die Erzlager (Eisenstein) an die Oberfläche traten, entwickelte sich zunächst ein Tagebau. Erst später, als die Erznester ausgebeutet waren, ging man zum Untertagebau über. Es wurden Schächte und Stollen angelegt, um die Erzadern im Innern der Berge zu erschließen.

Zur Verhüttung benötigte man die Holzkohle, die auf Grund des Holzreichtums unserer Wälder reichlich vorhanden war. Noch vor einigen hundert Jahren sah man fast auf jeden Berg einen Kohlenmeiler qualmen. Der letzte Kohlenmeiler von Werdohl stand auf dem Rodt.

Noch im 19. Jahrhundert wurden im Raum Werdohl 12 Mutungen ausgesprochen. Mutungen sind Berechtigungen zum Schürfen von Erz in der Erde. Neben den Eisenerzgruben gab es in Werdohl auch eine Bleierz und Kupfererzgrube. Diese Gruben wurden von den Betreibern in den meisten Fällen nicht hauptberuflich ausgebeutet, sondern dienten oft als Nebenerwerb für Bauern und kleine Gewerbetreibende die sich dort durch Investitionen ein kleines Geschäft versprachen. Die Namen der Gruben und die genaue Lage sind heute noch bekannt, und im gesamten Werdohler Gebiet zu finden.

Die Erzlagerstätten die schon seit dem Mittelalter im märkischen Sauerland abgebaut wurden, waren dann auch irgendwann mal ausgebeutet und ein weiterer Abbau lohnte sich nicht mehr. In vielen Fällen wären die Investitionen die man dort vornehmen musste zu hoch, und ein Erfolg war nicht garantiert. So wurden sie nach und nach still gelegt.

Wenn auch jetzt alle Gruben verlassen sind, so sind die alten Mutungen immer noch rechtskräftig und die Abbauarbeiten könnten jederzeit wieder aufgenommen werden. Ob sich ein erneuter Bergbau in unserem Stadtgebiet jetzt oder später lohnt, ist mehr als fraglich.

Aber auch in der Werdohler Gegend konnten sich die Nebenerwerbs Bergmänner den Gruß „Glück Auf“ zurufen.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls     Teil 18

Der „anstrengende Weg“ eines Polizisten

In der Neustadtstrasse befand sich das Spritzenhaus (s. Bild) der 1884 gegründeten freiwilligen Feuerwehr. An diesem Spritzenhaus war wie damals üblich ein Turm zum trocknen der Wasserschläuche angebaut.

Aber dieses Spritzenhaus hatte noch etwas anderes zu bieten. Die Polizei hatte dort auch ihre Arrestzellen um dort Ganoven fest zu setzen. Auf Grund der Arrestzellen wurde das gesamte Gebäude im Volksmund der „Furk“ genannt.

Da Werdohl aber bis 1893 zum Amt Neuenrade gehörte, musste der einzige Polizist von Werdohl oft auch Spitzbuben dort hin bringen.

Dabei soll sich etwa 1890 folgende Geschichte zugetragen haben: Der Polizist Wilhelm Wigginghaus hatte an einem sehr warmen Sommertag einen Bettler verhaftet, den er mit dem Fahrrad nach Neuenrade bringen musste. In der Hoffnung, das sein Gefangener das Weite suchen würde, und er bei den sommerlichen Temperaturen nicht den Berg nach Neuenrade rauf musste, ließ er ihn vor der Wirtschaft Röther (heute Haus Werdohl an der Neuenrader Straße) warten.

Dort nahm er zur Abkühlung ein paar Bierchen zu sich. Zwischendurch bat er den Wirt nachzusehen, ob der „arme Kerl“ noch draußen stand. Doch der wartete brav vor der Wirtschaft, so dass Wigginghaus am Ende nichts anderes übrig blieb, als mit ihm in der Hitze nach Neuenrade zu ziehen.

Man sieht, dass auch schon früher die Polizisten es nicht leicht hatten.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls     Teil 17 

Fluch und Segen einer Handesstrasse

Werdohl liegt im Kreuzungsbereich zweier Bundestrassen und war für die Ansiedlung von Industrie und Handwerk von entscheidender Bedeutung. Nicht zu vergessen die für Werdohl so wichtige Eisenbahnverbindung. Mit dem Bau der Ruhr Sieg Strecke begann die wirtschaftliche und städtebauliche Entwicklung der Stadt.

Werdohl lag an einem für frühere Verhältnisse wichtigen Handelsweg von Köln nach Arnsberg. Viele Reisende, Kaufleute und Handelsgüter passierten das kleine Dorf Werdohl. An dem Lenneübergang wurden reichliche Zölle eingetrieben, welche nicht nur dem Landesherrn sondern auch dem Dorf zu Gute kam. Zahlreiche Gasthöfe waren im Dorf zur Versorgung der Gäste und Pferde entstanden.

Doch so eine gute Lage an einer damals so wichtigen Verkehrsader brachte nicht zur Segen ins Dorf. In Krisenzeiten konnte diese gute Lage auch schon mal zum Fluch werden.

Jetzt hat Werdohl in seiner Nähe keine große Festung vorzuweisen, auch war kein Schlachtfeld in unmittelbarer Nähe, trotzdem zogen während des 30 jährigen Krieges häufig Soldatenheere durch Werdohl. Mal durchzogen die Soldatenheere der einen Kriegspartei, mal die der anderen durch den Ort. Im Jahre 1632 muss ein gewaltiges Landknechtsheer durch Werdohl gekommen sein. Die Einwohner verstecken sich in den umliegenden Bergen und Wälder, bedeutete dieser Durchzug oft Plünderungen und Brandschatzungen. In dieser Zeit verbreiteten die Soldaten nicht nur Angst und Schrecken, sondern sie brachten auch ansteckende Krankheiten, wie z.B die Pest. Werdohl hatte während dieser Zeit viele Pesttote zu beklagen.

Aber nicht nur während dieses Krieges durchzogen Soldaten Werdohl. Auch später während der napoleonischen Kriege hatte man in Werdohl keine Ruhe vor den Soldaten. Im Jahre 1813 feierte man in Werdohl den Sieg über Napoleon bei Leipzig. Französische Soldaten durchquerten auf ihrem Rückzug das Dorf. Anschließend durchzogen Russen auf dem Weg nach Frankreich Werdohl. Die Einwohner des Dorfes und der Bauernschaften trieben ihr Vieh und Pferde aus Angst vor deren Wegnahme in die Wälder und versteckten es dort. Einzelne Bürger wurden oft für Gespanndienste bis zur nächsten Grenze herangezogen.

Selbst ein ganz normaler Verkehrsweg kann schon sehr viel Geschichte erleben.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls     Teil 16

Von einem Wirt der sein eigenes Baumaterial zurück kaufen musste.

Zum Ende des 19. Jahrhundert war in der Umgebung der Firma Kugel & Berg (heute VDM) weit und breit keine Gastwirtschaft, wo die Arbeiter ihren Durst löschen konnten. Was lag also näher, als zu der anderen Lenneseite wo sich eine Gaststätte befand einen Weg zu finden. Leider gab es dort keine Brücke.

Der Wirt hatte Mitleid und baute eine Brücke, damit die Arbeiter trockenen Fußes hinüber kamen. Es war eine einfache Holzkonstruktion, die aber ihren Zweck erfüllte. Wenn aber die Hochwasser der Lenne kamen, brach die Holzkonstruktion zusammen und die Bretter und Balken schwammen davon. Und Hochwasser gab es vor dem Bau der Verse und Biggetalsperre häufiger als heute.

Die Balken und Bretter kamen an der Schlacht vorbei geschwommen, und die Anwohner dort fischten das Holz aus den Fluten. Der Wirt musste den Anwohner sein Holz wieder abkaufen, und das nicht gerade zu Ersatzpreisen. An Europas Küsten nannte man diese Menschen Strandpiraten. Er baute nach jedem Hochwasser die Brücke wieder auf. Wie oft dies passierte, ist nicht überliefert. Da zu dieser Zeit viel mehr Schnaps getrunken wurde, und die Arbeiter in der Gaststätte diesen dort holten, kam im Volksmund sehr schnell der Name „Schnapsbrücke“ auf.

1911 wurde mit dem Bau der Versevörder Lennebrücke begonnen, und der ständige Wiederaufbau des Holzsteges hatte ein Ende. Der Name „Schnapsbrücke“ ist aber dadurch nicht verschwunden, sondern die Bürger haben den Namen an die Versevörder Brücke weiter gereicht.

Auf der heutigen Brücke  wird jährlich im Monat Mai das Brücken-Bürger-Weinfest veranstaltet.  So behält die Brücke weiterhin einen Bezug zu geistige Getränken. Nur muss man diesmal nicht über die Brücke, sondern man trifft sich in der Mitte.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls     Teil 15

Ein Hofgartendirektor und die ehemalige Parkanlage Funkenburg.

 

Jeder in Werdohl kennt die „Funkenburg“. Das abfallende Gelände das eigentlich Lennestein heißt, gehörte früher einem gewissen Joh. Peter Funke aus Hagen, der auf dem Gelände ein Wohnhaus und ein Wirtschaftsgebäude mit Wohnung für  Gärtner und Knecht, sowie Stallungen für Pferde und zwei Kühe errichten ließ. An dem Steilhang wurde unter erheblichen Aufwand eine Fläche als Weide für die Kühe aufgefüllt. In dem noch vorhandenen Wirtschaftsgebäude war bis vor kurzem noch ein Kindergarten untergebracht. Die Anlage wurde im Volksmund nach der burgartigen Ummauerung in Verbindung mit dem Namen des Besitzers „Funkenburg“ genannt.

Aus dem „Werdohler Lesebuch“ (1991) erfahren wir, dass der Hofgartendirektor Maximilian Friedrich Weyhe aus Düsseldorf die Parkanlage auf der „Funkenburg“ entworfen hatte. Das ist der gleiche Weyhe, der 1843 auf Anraten König Wilhelm IV von Preußen die Parkanlage der Burg Altena entworfen hatte, und die sein Sohn dann weiter geführt hatte. M.F. Weyhe ist  der Erschaffer zahlreicher Schlossparks.

Maximilian Friedrich Weyhe kommt aus einer sehr bekannten Gartenbaufamilie und war bei seinem Onkel Peter Joseph Lenné d. Ä. in der Lehre. Dessen Sohn Peter Joseph Lenné ist der berühmte Architekt zahlreicher Gärten in Potsdam Sanssouci.

Dieser Park auf der Funkenburg war in früheren Jahren bei den Werdohler sehr beliebt und wurde von zahlreichen Bewohnern besucht. Wer heute durch den kleinen Wald geht, wundert sich bestimmt über verwunschene Treppen und Mauern die sich mitten in dem Wald auftun. Vereinzelt kann man den Parkcharakter noch erkennen, und ein schöner alter Baumbestand säumt den Weg.

Dass der Park an der Funkenburg sehr beliebt war, zeigen die Schnitzarbeiten aus Herzchen und Namensinitialen die  hoch in den alten Buchen zum Vorschein kommen. Auf Grund der hohen Anzahl der Schnitzereien waren hier in früheren Zeiten bestimmt viele Werdohler Gast des Parks. Schade dass er immer mehr verfällt, und einige Besucher dort ihren Müll hinterlassen.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls     Teil 14

Für Getränkenachschub wurde eine Flagge gehisst.

 

Einige Werdohler wissen es noch, Werdohl hatte mal eine Jugendherberge. Mit dem passenden Namen „Lug ins Land“ befand sie sich hoch oben auf dem Remelshagen.

In einem Nebengebäude des Hofes Spannagel auf dem Remelshagen wurde die Unterkunft für die wandernde Jugend 1921 eingerichtet. Es darf angenommen werden, das die von Richard Schirrmann in der Nachbarstadt Altena gegründetet erste Weltjugendherberge  als Anregung und Vorbild diente.

Diese Jugendherberge hätte keinen besseren Standort finden können. Egal ob die Wanderer vom Scherl, von Neuenrade oder von Werdohl den Berg hinauf gingen. Immer hatten diese einen wunderbaren Ausblick über die Landschaft.

Im Hof Spannagel neben der Jugendherberge befand sich ein Gasthaus in dem die Ausflügler und Wanderer ihren Durst und Hunger stillen konnten.

Im Jahre 1935 ist der Hof in den Besitz des „Bochumer Vereins“ übergegangen, und wurde anschließend abgerissen. Auch die beliebte Jugendherberge fiel der Spitzhacke zum Opfer. An diesem Platz baute der „Bochumer Verein“ Häuser für Werksangehörige die zur Erholung dienten.

Der Remelshagen war für die Werdohler immer ein beliebtes Ausflugsziel.  An großen Festtagen wie Ostern und Pfingsten trafen sich dort die Werdohler Gesangs und Musikvereine und sorgten für Unterhaltung.

Gingen dem Wirt Spannagel mal die Getränke aus, zeigte eine am Mast aufgezogene Flagge dem Bierverleger Hanneforth vom Bredder Weg an, was er zu tun hatte. Er spannte sein Pferd an, und schon ging es hinauf zum Remelshagen. Und das alles ohne Telefon.

Bild: Hof Spannagel auf dem Remelshagen. Rechts im Bild die Jugendherberge. Winter 1931/32

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Geschichten zur Geschichte Werdohls     Teil 13

Bevor das Haus ein Rathaus wurde.

 

Die meisten Werdohlerinnen und Werdohler wissen, dass das Gebäude in dem das jetzige Rathaus untergebracht wurde nicht als Rathaus geplant war. Werdohler Fabrikanten mussten für ihre benötigten Arbeiterschaft ausreichend Wohnraum zur Verfügung stellen. Und so wurde das Gebäude als Ledigenheim konzipiert. Aber die wenigsten wissen vielleicht wie so ein Ledigenheim aussah und über welche Einrichtungen diese verfügte.

Die damals gegründetet Baugenossenschaft ließ durch die Iserlohner Architekten Brüninghaus & Helmuth ein großes Heim mit Speiseraum für ledige Arbeiter errichten. Die Unterbringung lediger Arbeiter in Kost und Logis in Privathäusern wurde von Jahr zu Jahr immer schwieriger. Die Logisverhältnisse haben nach dem damaligen Sprachgebrauch zu „gesundheitlichen und sittlichen“ Bedenken geführt. So konnte 1912 dort Richtfest gefeiert werden.

Das neue Ledigenheim enthielt 92 Zimmer zu 1, 2 und 3 Betten mit im ganzen 145 Betten. (54 Zimmer zu 1, 23 zu 2 und 15 zu 3 Betten). Jedes Zimmer hatte Zentralheizung und elektrisches Beleuchtung, Tisch und abschließbaren Schrank für jeden Bewohner und Wascheinrichtung mit fließendem Wasser.

Im Erdgeschoss befand sich ein großer Speisesaal und ein Lesezimmer. Der Speisesaal war dort, wo sich heute der Ratssaal befindet. Die gesammten Wirtschaftsräume mit Dampf-Kochanlage, der Wohnung des Hausvaters, der Angestellten, den Vorratsräumen etc. sind getrennt angeordnet worden. So die damalige Beschreibung.

In dem geräumigen Kellergeschoss befand sich eine Badeanstalt, bestehend aus Wannen, Brause und Dampfbädern, ferner eine maschinelle Waschanstalt. Diese Badeeinrichtungen konnten auch Bewohner des Dorfes Werdohl in Anspruch nehmen, die nicht über diese Annehmlichkeiten verfügten.

Gegenüber des Hauses befand sich eine Wiese, die für Fußball und andere Sportarten genutzt werden konnte. Aus dieser „Sport“wiese ist der Rathaus Parkplatz geworden. Die Gesamtkosten für das Gebäude mit den umliegenden Anlagen wurde auf 180 000 Mark beziffert. Alle Fabrikanten die sich an die Kosten beteiligt haben, hatten Anspruch auf die entsprechende Anzahl Betten. Allein die Firma Brüninghaus hat für einen viertel der Kosten die Garantie übernommen, und konnte dementsprechend viele Arbeiter dort unterbringen.

Man sieht, das auch ein Gebäude eine wechselvolle Geschichte haben kann.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls     Teil 12

 

Von den „Dunkelmänner“ Werdohls

Nachdem die heutige Stadt Werdohl dem Stärkungspakt beigetreten ist, hieß es, einige Sparmaßmahmen im Rat zu beschließen. Diese Maßnahmen hatte keiner gerne getroffen, waren aber auf Grund der finanziellen Situation der Stadt nötig. Eine dieser Maßnahmen war und ist, die Nachtabschaltung der Strassenlaternen von 0:00 bis 4:00 Uhr.

Natürlich gab es in unserer Stadt viele Diskussionen zu diesem Thema. Ganz neu scheint das Thema aber  in Werdohl nicht zu sein. Bereits in den ca. 1860er Jahren ging es um die Beleuchtung der Dorfstrassen von Werdohl.

Damals war der ländliche Charakter der alten Dorfstrasse noch nicht durch die Auswirkungen der industriellen Entwicklung geprägt.

Noch stritten die Vertreter der Bergbauerschaften, der Wintersohler und Lengelsener Bauerschaften mit den Dörflern und den Neuansiedlern um die Vormacht im Gemeinderat. Hier waren die Vertreter des Dorfes zunächst noch in der Minderheit.

So war es kein Wunder, wenn für vermehrte Anbringung von Petroleumlaternen für die Strassenlaternen im Gemeinderat keine Mehrheit vorhanden war. Die Vertreter der umliegenden Bauernschaften sahen es offenbar nicht ein, Geld für die Dorfbeleuchtung auszugeben. Davon hätten ja die umliegende Siedlungen ja nichts.

Diese Streitigkeiten bewogen eines Tages dem Kladderadatsch (eine 1848 in Berlin gegründetete Satierezeitung), über die „Dunkelmänner“ von Werdohl herzuziehen.

Ob sich die Mehrheiten im Gemeinderat geändert haben, oder ob sich die Bergbauernschaften haben überzeugen lassen, weiß man heute nicht mehr genau. Auf alle Fälle waren später im Dorf ausreichend Petroleumlampen installiert.

 

 

Geschichten zur Geschichte Werdohls     Teil 11

Wie die Königsburg zu ihrem Namen kam.

 

Die Königsburg gab es zum Anfang des vergangenen Jahrhunderts noch nicht. Es standen lediglich ein paar Gehöfte an der Vorth, am Holte, in Erlhagen und an der Becke.

Das gesamte Gelände bestand aus Feld, Wiesen und Wald.

Richard König ein Zieheisenlocher arbeitete bei den Stahlwerken Brüninghaus, und wohnte mit seiner Familie in Wintersohl. Richard König wollte sich ein Haus bauen, und ein Grundstück hatte er sich auch schon ausgesucht. Für das Grundstück benötigte er aber acht Goldmark.

„Wenn ich die nötigen acht Goldmark zusammen habe, baue ich mir auf den Hügel eine Burg“ soll Richard König immer gesagt haben.

Die acht Goldmark für den Kauf des Grundstückes hatte er zusammen, und die Familie konnte 1907 in das neue Haus einziehen.

Wohl auch der Baustil mit dem Hinweis des Richard König eine Burg bauen zu wollen, haben im Volksmund zu den Namen Königsburg geführt.

Die Feldstraße wurde gebaut und von dort ausgehend der „Hügel“ besiedelt. Doch die Straße oder den offiziellen Stadtteil „Königsburg“ gibt es bis heute nicht, obwohl jeder in Werdohl von der Königsburg spricht.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls    Teil 10

Aus Lenne und Verse frisch auf den Tisch

 

Das Angebot zur Ernährung der Werdohler Mitte der 1800er Jahre, war natürlich noch nicht so umfassend wie wir es heute in den Supermärkten vorfinden. Auf dem Speiseplan stand das, was der Garten und das Feld jahreszeitlich gerade hergab. Hauptspeise war das Brot, und in den meisten Familien stand Fleisch lediglich am Sonntag auf dem Speiseplan. Jeder kannte den sogenannten Sonntagsbraten.

Abwechlung fand man in den damals fischreichen Gewässern der Lenne und Verse. Die Wasserqualität war damals eine andere. Noch gab es nicht viele Fabriken an den Ufern der Flüsse, und Staustufen waren so gut wie unbekannt. So konnten in den damals fast ursprünglichen Flußläufen die Fische ohne Probleme ihre Wanderungen vollziehen.

Die Kinder des Dorfes fingen die in Schwärmen vorkommendeb kleinen  silbergrau blinkenden „Maipiere“ (Elritze) , aus denen man einen leckeren Fischsalat machte.

Die auf dem „Sand“  heranwachsenden Jungen legten heimlich Aalseile aus. Das war zwar verboten, aber in dem Fall gab es weder Kläger noch Richter. Den Lachs gab es zu dieser Zeit so reichlich in der Lenne,  dass sich einige Hausbediensteten in den reicheren Häusern über den vielen Lachs als Mahlzeit für sie beschwerten. So verfügten die Herren von Wrede zu Brüninghausen bei Ohle, das seine Ackersknechte nur zweimal in der Woche Lachs bekommen sollten.

Im Mai während der Laichzeit der Hechte versuchten einige heimlich mit sogenannten Dreizack in der Soppe die Fische zu erlegen. Hier hatte ein Herr Kohlhage die Fischereirechte und wehe man wurde erwischt.

Krebse die auch in Mengen in der Lenne gefangen wurden, scheinen schon früh, wie in den meisten deutschen Flüssen, durch eine Krankheit vernichtet zu sein. Ein Tagebucheintrag bezeugt, dass 1846 noch Krebse zum Verkauf am Kettling gefangen wurden.

Auch in der Verse waren die Krebse reichlich vorhanden. So soll es am Rutenpaul die größten Krebse der Verse gegeben haben. Eines Tages wurden karrenweise Fischleichen weggefahren , als an der oberen Verse ein Beizfass entleert worden war. Von dem Tag an war in dem einst an Forellen, Äschen und Krebsen so reichen Fischwasser der Verse kein Leben mehr. Dies hat sich zum Glück heute wieder erholt.

 

 

Geschichten zur Geschichte Werdohls     Teil 9

Alltag an der Dorfstraße, oder die Sache mit dem Besen

 

In den Jugenderinnerungen von Alfred Colsmann wird lebendig über das tägliche Leben im damaligen Dorf Werdohl berichtet.

Im Jahre 1865 kaufte sein Vater den Busenhof und von dort aus erkundete er mit seinen Freunden das dörfliche Umfeld. Er gibt eine genaue Beschreibung über den Alltag der Dorfstraße, die wir heute Bahnhofsstraße nennen.

Vor manchen Häusern standen die mit dem obligatorischen Herzchen verzierten „Hüseken“, und manche Mistkuhlen qualmten und dufteten vor den Häusern.

Noch standen in Strassenrinnen duftende Lachen, und wenn geschlachtet wurde, was im Winter fast vor jeden Haus geschah, floss blutiges Wasser die Straße entlang. Bei trockenem Wetter watete man im Staube und bei Regen in den tiefen Schlamm.

Gegenüber dem Busenhof befand sich ein Fassbinder, dessen Arbeit immer wieder gerne von den Dorfkindern beobachtet wurde. Die Dorfschmieden hatten zu dieser Zeit viel zu tun. Die ganzen Pferde mussten beschlagen werden, und man ritt sie danach zur Schwemme in die Lenne.

Dann gab es noch den Brückenzoll und  zahlreiche Gasthöfe. Die waren notwendig,  damit die Wartezeit an der Zollstation überbrückt werden konnte. Oft kamen die Pferde mit ihren Lasten karawanenartig durch das Dorf. So kam es, dass  an einem Tag oft über hundert Pferde  im Dorf unterwegs waren.

An lauen Sommerabenden saßen die Bürger mit der langen Pfeife vor den Türen, neben ihnen die Hausfrau mit weißer Haube.

Das interessante an seinen Jugenderinnerungen aber ist die Tatsache, dass Bürger die nicht zu Hause waren, einfach einen Besen vor die Tür stellten. So konnte jeder im Dorf sehen, das man da nicht vorbei gehen brauchte. In der heutigen Zeit kaum vorstellbar. Laut polizeilichen und versicherungstechnischen Sprachgebrauchs würde man es heute „Einladung zum Diebstahl“ nennen. Ob daher der Begriff von der „guten alten Zeit“ kommt ?

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Geschichten zur Geschichte Werdohls     Teil 8

Beim Frauenschwimmen mussten  die Zuschauer „geschützt“ werden.

 

Im September führte der Werdohler Schwimmverein wieder sein „Internationales Schwimmfest“ in Ütterlingsen durch. Es war das 29. Schwimmfest, und nächstes Jahr wird genullt.

Bei solchen Ereignissen stellt man sich oft die Frage, wie hat es mit dem Schwimmen in Werdohl angefangen? und wann war eigentlich der erste Schwimmwettkampf in Werdohl?

Wie der Name SV08 schon sagt wurde der Verein 1908 von dem damaligen Lehrer Martin Lahme gegründet. Leicht war es nicht die Idee zur Gründung eines Schwimmvereins in der Bevölkerung durchzusetzen. Die führenden Schichtenwaren der Ansicht, dass dem Geist mehr Bedeutung beizumessen sei, als der körperlichen Ertüchtigung. Vor allen Dingen war es im Kaiserreich für viele ein Graus, sich seiner Kleidung zu entledigen und nur im Schwimmanzug leicht bekleidet sich in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Trotz aller Schwierigkeiten und Bedenken konnte der Verein gegründet werden. Zu einer der ersten Aufgaben des neugegründeten Vereins gehörte die Schaffung einer Badeanstalt. Man einigte sich auf einen Platz an der Lenne in der Nähe der damaligen Kugelschen Fabrik, heute VDM.

 

Viele Werdohler standen aus „moralischen“ Gründen dem Schwimmsport etwas reserviert gegenüber.

Beim großen Gauschwimmfest im Jahre 1923 in Werdohl mussten die Zuschauer während der Frauenwettkämpfe fast 200 Meter vom Lenneufer zurück treten, um so die Zuschauer vor dem „unzüchtigen“  Anblick zu schützen.

Die Baukosten für die damalige „Badeanstalt“ am Lenneufer betrugen ca. 750,– Mark, eine Menge Geld, welches die etwa 50 Mitglieder nicht allein aufbringen konnten. So wurden die Bürger zu Spenden aufgerufen und der Bau einer für die damalige Zeit stattlichen Badeanstalt konnte vollendet werden.

Von nun an widmete sich der Schwimmverein der Ausbildung und Ausübung des Schwimmsports. Großes Vertrauen erwarb man sich durch die Ausbildung der Schuljugend im Schwimmen, wodurch das Ansehen des Vereins schnell anstieg. Das Eis war gebrochen und die Mitgliederzahlen stiegen an. Im Jahr 1912 bewilligte der Gemeinderat eine jährliche Beisteuer von 100,– Mark.

(Bild von der zweiten „Badeanstalt“ am Wehr Wintersohl)

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Geschichten zur Geschichte Werdohls     Teil 7

Zurück gelassener Güterzug durfte geplündert werden.

 

Zum Ende des 2. Weltkrieges stand im Werdohler Bahnhof bis rauf zu Lokschuppen der Schnurre (unter der Kommandobrücke) ein Güterzug.

Bewacht wurde er von amerikanischen Soldaten. Nun wollten natürlich alle wissen, was da wohl in den Waggons war.

Die Kinder und Jugendlichen aus dem Bahnhofsviertel beobachten die Wachen wie sie ihre Runden drehten, und passten einen günstigen Augenblick ab, um ungesehen in die Waggons zu gelangen.

Alle Waggons waren gefüllt mit Behältern, in denen sich Fallschirme befanden.  Die Bevölkerung konnte natürlich nach dem Krieg Stoff gut gebrauchen, und so „stibitzten“ zunächst Jugendliche einen Fallschirm nach den anderen. Auf Grund der verordneten Sperrzeiten, konnten die Fallschirme nur am Tage „entwendet“ werden, was sich oft als sehr schwierig heraus stellte.

Man musste sich beeilen, da in Werdohl das Gerücht umging, dass der Zug gesprengt werden sollte. Dieses stellte sich aber wirklich nur als Gerücht heraus, und die Amerikaner gaben den Zug, bzw. den Inhalt der Behälter für die Bevölkerung frei.

Die Bevölkerung kam dann auch,  mit Schubkarren und Leiterwagen um diese mit den Fallschirmen zu füllen. Da es sich um Transportfallschirme handelte, waren diese alle bekannter weise knallrot. Aus dem roten Fallschirmstoff wurden von den Müttern  allerhand Kleidungsstücke genäht. Kleider, Blusen, Tischdecken, Gardinen und andere Sachen wurden daraus gefertigt. Sogar zu Tanzveranstaltungen erschienen etliche Werdohler mit Kleidungsstücken aus jenem Stoff. So war die Farbe Rot für eine bestimmte Zeit die Modefarbe in Werdohl, und jeder konnte sehen, wer einen Fallschirm ergattern konnte.

 

 

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Geschichten zur Geschichte Werdohls     Teil 6

Wo einst die Ritter hausten

Wenn man in Werdohl vom Wintersohl spricht, werden sich viele noch an einem Haus an der Lenne mit dazugehörigem Bauernhof erinnern. Die in den neunziger Jahren Geborenen kennen Wintersohl als neu angelegtes Industriegebiet und nichts deutet darauf hin, dass hier mal eine kleine Ortschaft stand.

Das Anwesen Wintersohl wurde bereits im Jahre 1388 erwähnt. Ein Ritter namens Engelbert Haver von Wintersohl verpflichtete sich beim Herzog von Berg wieder in die Gefangenschaft zurück  zu kehren. Eine für diese Zeit übliche Methode. Ein Ritter der während einer Fehde gefangen genommen wurde, konnte nach Hause um das Lösegeld zu besorgen oder später wieder in die Gefangenschaft zu gehen, sollte er die Geldmittel nicht aufbringen können.

Das Haus Wintersohl war lange Zeit in der Hand adliger Familien. Ein Graf von der Mark beschlagnahmte sogar mal kurzerhand das Haus Wintersohl, und gab es dem Ritter Heydenreich von Plettenberg. Das Haus wechselte später mehrere adlige Besitzer. Erst nach 1727 gelangte das Anwesen in verschiedene bürgerliche Hände und wurde 1862 Eigentum der Firma Gebrüder Brüninghaus.

Das Gebäude bestand ursprünglich aus einem Haupthaus in Form eines Turmes mit mehreren Stockwerken. Dazu gehörten einige Nebengebäude die später auch als Bauernhof dienten. Der oberirdisch gelegene Keller war mit Schießscharten versehen und die Außenmauern waren bis zu zwei Meter dick. Die Anlage war mit Wassergräben zur besseren Verteidigung umgeben. Zum Rittergut gehörte eine Mühle an der Verse, sowie Jagd und Fischereirechte.

In späteren Jahren wurde an dem Turmhaus ein Anbau angebracht und als Wohnhaus umgebaut. Mit diesem Anbau verschwand der mittelalterliche Charakter des Hauses.

Ende des zwanzigsten Jahrhundert wurde das schon seit einigen Jahren leerstehende Haus abgerissen. Auf dem Gelände und den angrenzenden Wiesen des Rittersitzes wurde später ein Industriegebiet angesiedelt.

Übrig geblieben ist von dem Rittersitz Wintersohl nichts mehr. Lediglich eine mit Eisen beschlagene Eichentür befindet sich im Ahehammer und trennt den Hammer vom Wasserrad. Die Tür wird noch benutzt, wenn bei Vorführungen der Wasserlauf des Teiches aktiviert wird. In Wintersohl selber ist nur noch eine kleine Mauer zu sehen, die damals als Stützmauer  den Obstgarten des Bauernhofes von dem Fahrweg trennte.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls     Teil 5

Wie ein Deal zwischen den beiden Kirchen eine alte Glocke rettete

Die älteste Werdohler Kirchenglocke, die „Marienglocke“ wurde 1495 in Iserlohn gegossen. Die Kilianskirche die auf dem heutigem Keßlerplatz stand, hatte in ihrer Blütezeit drei Glocken in ihrem Turm. Bis im Jahre 1868 waren sie im Einsatz, und läuteten zum Gottesdienst oder verkündigten wichtige Ereignisse.

Eine Glocke aus dem Jahre 1491 wurde um 1900 eingeschmolzen, weil sie einen Riss hatte. Eine andere aus dem Jahre 1687 musste im ersten Weltkrieg zu Kriegszwecken abgegeben werden.

Mit dem Bau der Christuskirche hing die besagte „Marienglocke“ bis im Jahre 1902 dort, und wurde danach als Unterschale für das Taufbecken  benutzt.

Im zweiten Weltkrieg sollte nun die evangelische Kirchengemeinde diese alte Glocke zum Einschmelzen zu Kriegszwecken abgeben.

Nach einer Absprache hat nun die katholische Kirche ihre letzte Bronzeglocke abgegeben, und erhielt dafür  die Marienglocke. So konnte die uralte Glocke vor der Vernichtung gerettet werden.

Im Jahre 1948 hatte die evangelische Gemeinde der katholischen Gemeinde eine Ersatzglocke besorgt, und die Marienglocke wurde wieder zurückgegeben.

Zunächst diente die Marienglocke bis 1956 wieder als Taufuntersatz, und hängt ab 1956 in der Friedhofskapelle in der Landwehr.

Die Glocke wurde 1985 unter Denkmalschutz gestellt, schließlich ist sie das älteste datierbare Relikt aus Werdohls Vergangenheit.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls     Teil 4

Werdohl und sein Salzwerk

In der Werdohler Gewerbegeschichte zählt das ehemalige Salzwerk zu den wirtschaftsgeschichtlichen Merkwürdigkeiten. Durch eine geologische Besonderheit trat an mehreren Stellen salzhaltiges Wasser hervor. Die ungefähre Lage der Quelle war am Scherl. In der Nähe der Eisenbahnbrücke am rechten Lenneufer.

Wie alt die Werdohler Quelle war, ist nicht bekannt. Ein Mathias Brüninghaus bekam 1629 die Genehmigung Tiefenbohrungen vorzunehmen. Aus Mangel an Holz wird nur eine Siedepfanne unterhalten.

Trotz der schweren Zeiten während des Dreißigjährigen Krieges trat das Salzwerk ins Leben. Die Lennebrücke in Werdohl war für Truppendurchzüge von größter Wichtigkeit. Sie wurde wiederholt von Truppen passiert, und so wurde das Salzwerk mehrmals geplündert. Neben Bränden hatte das Salzwerk auch mit Lennehochwasser zu kämpfen.

Bald geriet das Unternehmen zwischen den Mahlsteinen des landesherrlichen Salzmonopols. Das Salzmonopols der bei Soest gelegenen Saline Sassendorf, gestattete den Verkauf des Werdohler Salzes nur außerhalb der brandenburgischen Lande am Rhein und auch nur unter Abgabe hoher Steuern (Zehnten). Trotzdem wurde der Salzexport von den Werdohlern weiter betrieben. An der Werdohler Brücke wurde ein Salzseller (Salzsteuereintreiber) angestellt, der von allem Salz, das Werdohl verließ, den zehnten Teil als Steuer behielt.

Auf Dauer war das Salzwerk auch auf Grund der hohen Steuern durch das Salzmonopols aber nicht rentabel, so dass der Betrieb zum Ende des 18. Jahrhundert eingestellt wurde.

Durch den späteren Straßenbau (ehemalige Altenaer Strasse) ist die Quelle endgültig verschüttet worden. Nach Berichten stand das Gradierhaus auf dem Ufergelände, wo sich später die Firma Schlesinger (Schmiedag), heute Georg Fischer ansiedelte.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls     Teil 3

Als es noch „Kinderschützenfeste“  in Werdohl gab

Die „Schützenmonate“ in unserer Stadt sind vorbei. Dieses Jahr konnten die Werdohler wieder in den Monaten Juni und Juli ihre Schützenfeste im Versetal und in Werdohl feiern. In früheren Jahren war dies nicht anders, nur spielten da die Schützenfeste  eine größere Rolle. Das lag sicher auch an den nicht so reichlich vorhandenen Freizeit und Kulturangeboten die eine kleine Gemeinde damals zu bieten hatte.

Für die Kinder war das Schützenfest  damals ein besonderes Ereignis. Dort gab es Dinge zu sehen, die man sonst das ganze Jahr nicht zu Gesicht bekam. Besondere Süßigkeiten gab es dort zu kaufen, welches in den zahlreichen kleinen Läden in der Gemeinde  nicht zu kaufen gab. Leider konnte nicht jeder Kindertraum erfüllt werden. Dies lag besonders auch an der knappen Haushaltskasse über die kinderreichen Familien verfügten. Aber hier hatten sich die Eltern etwas einfallen lassen.

Da die Nachbarschaft in der damaligen Zeit intensiv gepflegt wurde, und jede Straße über eine große Anzahl an Kinder verfügte, wurde von der Nachbarschaftsgemeinschaften sogenannte Kinderschützenfeste organisiert.

Ob es nun die Kinder von der Schlacht waren, die von der Altenaer Straße oder die aus „Alt Ütterlingsen“ um nur einige zu nennen. Der Schützenkönig wurde meistens durch Dosenwerfen ermittelt. Dieser durfte sich dann aus den Mädchen der Nachbarschaft eine Schützenkönigin aussuchen.

Höhepunkt waren immer die Schützenumzüge der Kinder der einzelnen Straßen. Man hatte sich herausgeputzt, und mit Blumenkränzen und Holzschwertern marschierte man „seiner“ Straße entlang. Teilweise durfte das Schützenpaar in einem Blumengeschmückten Leiterwagen den Zug miterleben. Die meisten Kinderumzüge hatten sogar einen „Hauptmann“, der eine Pickelhaube tragen durfte.

Nachdem Schützenumzug der Kinder traf man sich an der Lennewiese, in einem großen Garten, oder wo sonst die Treffpunkte der einzelnen Straßen waren. Hier feierte man mit Kuchen und Kakao. Für die Eltern der Nachbarschaft soll es selbstgemachten Fruchtwein und Bier gegeben haben.

Bis zum 1. Weltkrieg feierten die Werdohler ihr Schützenfest am Steinwerth, dem heutigen Gelände der Firma Vossloh. Im Jahr 1919 wurde dieses Grundstück dann getauscht gegen das Areal am Schützenplatz, gegenüber der Schlacht. Hier wurde die Feste (mit Ausnahme von Kriegs- und Nachkriegsjahren) bis zum Jahr 1990 durchgeführt. Seit 1991 ist man nun im „Herzen der Stadt“, auf dem Goetheparkplatz.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls     Teil 2

Die Sache mit den ….hagen

Es werden sich bestimmt schon viele gefragt haben, warum es in Werdohl so viele Ortschaften oder Bauernschaften gibt, die mit dem Wort Hagen enden.  Da gibt es Remmelshagen, Sommerhagen, Winterhagen, Espenhagen, Erbshagen, Erlhagen, Altenhagen, Broshagen um nur einige zu nennen.

Im Mittelalter gab es für die Menschen und Fuhrwerke nur teilweise Wege durch die Täler der Lenne und Verse. Oft wurde die sumpfige Gegend im Tal über die Bergrücken umgangen. Die Wege waren für die Grafen von Altena/Mark gute Einnahmequellen. Hier wurden Zölle für Geleitschutz, das Benutzen von Wegen, und das Überqueren von Brücken und Furten genommen.

Damit sich die Grafen die Einnahmequelle auch sichern konnten, wurden die Umgehungswege auf den Höhen von sogenannten Hagen gesichert. Diese Gehöfte, oft mit einer dichten Hecke oder Palisaden gesichert, sollte verhindern, dass Menschen und Fuhrwerke die Zollstationen umgehen, ohne das Wegegeld zu entrichten. Aus diesem Grund sind so gut wie alle Hagen auf den Höhen zu finden.

Oft dienten diese Hagen auch dazu das Vieh der adligen Häuser am Fortlaufen zu hindern. Auf dem Espenhagen lag der zur Burg Pungelscheid und auf dem Hohagen der zu Grimminghausen gehörende Schafstall.

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Geschichten zur Geschichte Werdohls     Teil 1

Wenn man heute  in Werdohl ein gepflegtes Glas Bier trinken möchte, findet man trotz des „Kneipensterbens“ in unserer Stadt gemütliche Gasthäuser.

Und früher? Ja, früher war das irgendwie alles anders. Der Werdohler an sich ist schon immer gerne in die Wirtschaft gegangen, um mit Freunden ein gepflegtes Bier zu trinken.

Stellen wir uns einen Reisenden vor, der vor hundert Jahren gerade am Werdohler Bahnhof aus der Dampflok stieg. Es war warm, und er hatte natürlich Durst. Als erstes ging er in die Bahnhofsgaststätte und bestellte ein Bier und einen Wacholder. Anschließend ging er schräg rüber zum Kleinbahnhof. (KAE Bahnhof)……dieselbe Bestellung.  Von dort aus zum Reidemeister……wieder ein Bier und einen Wacholder. Anschließend wieder schräg über die Straße in das Cafe Höflinghoff, auch „Cafe Bückdich“ genannt. Dort musste man eine Treppe tiefer gehen, und der Durchgang war niedrig. Anschließend nach immer derselben Bestellung, landete er in der Landscrone. Von dort aus ging es schnell in das Cafe Schulte. Hier blieb er eine Weile sitzen und überlegte, wie er die lange Strecke über die Stadtbrücke schaffen könnte.

Seinen ganzen Mut zusammen gepackt, landete er schließlich im Hotel Quittmann. Nebenan dann ins Gasthaus Heutelbeck und danach sofort zu Borbeck. Noch eine Kurve in das Cafe Köster, und auf der anderen Straßenseite in das Gasthaus „zur Post“, und endete schließlich in der Pulvermühle. Immer mit derselben Bestellung. Spätestens dort, wusste der Reisende nicht mehr, warum er überhaupt nach Werdohl gekommen ist. Vom Bahnhof bis zur Pulvermühle hat unser Reisende zwölf Mal die Lokalität gewechselt.

Böse Zungen behaupteten damals, in Werdohl werde prozentual mehr Bier getrunken als in der Bierstadt Dortmund. Dies lag aber nicht nur an der Werdohler Bevölkerung, sondern bestimmt auch an so manchen Reisenden.

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